Tatsächlich bietet der Jemen mit seinen unzugänglichen Gebirgen und Steinwüsten ein ideales Terrain für Terrorcamps weit ab vom Schuss. Korrupte und von Islamisten unterwanderte Behörden kontrollieren kaum mehr als die Hauptstadt Sanaa. Sie sind mit der bewaffneten Revolte der schiitischen Houthi-Rebellen im Nordwesten und mit einer anschwellenden Sezessionsbewegung im Süden ohnehin überfordert. Hinzu kommen die zur Neige gehenden Öl- und Wasservorräte, die eklatante Armut und das weitgehende Fehlen jeglicher moderner Infrastruktur.Der Vater von Osama bin Laden stammte aus dem Jemen. Der Gründer der Al Qaida nutzte den Jemen schon in den 90er-Jahren als Rückzugsgebiet, viele Kämpfer stammten von dort. Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 begann Jemens Präsident Ali Abdullah Salih, mit den Amerikanern im Anti-Terror-Kampf zu kooperieren. 2003 war der jemenitische Al-Qaida-Ableger so gut wie zerschlagen.Doch der Organisation wachsen die abgeschlagenen Köpfe offenbar nach wie der antiken Hydra, wenn Probleme wie Armut und Korruption ungelöst bleiben. 2006 gelang 23 Häftlingen im Hochsicherheitsgefängnis von Sanaa die Flucht. Unter den Top-Terroristen, die entkamen, war Nasser al-Wahaischi, der heute Al Qaida auf der Arabischen Halbinsel anführt. Er soll laut Experten auch heute noch mit Osama bin Laden in Kontakt stehen. So spricht auch der amerikanische Landeskenner Gregory Johnsen von einer "zweiten Inkarnation der Al Qaida im Jemen". Al-Wahaischi habe nach seiner Gefängnisflucht eine "ziemlich kräftige Organisation" aufgebaut. Die "New York Times" berichtete am Montag, die USA hätten bereits eine verdeckte Operation gegen Al Qaida im Jemen eröffnet. Unter anderem seien schon seit etwa einem Jahr einige der besten im Anti-Terrorkampf geschulten CIA-Agenten in dem Land.