| 02:45 Uhr

Der Iran feiert nach der Einigung im Atomstreit

Junge Iraner feiern ausgelassen die Einigung.
Junge Iraner feiern ausgelassen die Einigung. FOTO: dpa
Teheran. Alle reden von einer "historischen Entwicklung". Dementsprechend freuen sich die Iraner auch über die Atomvereinbarung mit dem Westen. Aber ganz klar ist keinem, was da genau vereinbart wurde und worüber man sich nun genau freut. Farshid Motahari

Am Mehrabad-Flughafen von Teheran wurde Irans Außenminister Mohammed Dschawad Sarif bei seiner Rückkehr gefeiert wie ein Nationalheld. Hunderte riefen "Lang lebe Dr. Sarif " und schwenkten stolz die iranische Flagge. Auch in der Nacht zum Freitag gab es in Teheran spontane Straßenfeste. Autofahrer hupten, Menschen tanzten.

Jugendliche auf den Straßen skandierten "Obama, Obama". Sie wünschen sich eine Normalisierung der Beziehungen mit den USA - nach über 35 Jahren Feindseligkeit. Einige hielten in der einen Hand einen 10 000-Rial-Schein und in der anderen eine Ein-Dollar-Note. Die Botschaft: Das sollte demnächst der neue Umtauschkurs werden. Noch kostet ein Dollar das Dreifache.

Im Iran interessiert sich kaum ein Bürger für die Anzahl der Zentrifugen und ob in Arak nun ein Schwer- oder Leichtwasserreaktor gebaut wird. Was die Menschen in erster Linie interessiert, ist die Aufhebung der Sanktionen und damit ein Ende der Inflation. "Wir wissen nur dann, woran wir sind, wenn die Sanktionen weg sind", sagt der Devisenmakler Hamid. Werden sie nun alle auf einmal aufgehoben oder schrittweise? Wegen der widersprüchlichen Aussagen sind auch die Auswirkungen auf den Devisenkurs noch unklar.

Unsicherheit herrscht auch weiterhin bei iranischen Unternehmern. "Da ist mir zu viel Inschallah (so Gott will) bei Sarifs Erläuterungen", sagt der Seifen-Importeur Ramin. Was wird beispielsweise aus den Finanzsanktionen gegen Banken, die in den vergangenen Jahren sowohl Import als auch Export erschwert haben? Daher will der Unternehmer wie andere auch lieber mit Planungen bis Ende Juni warten - bis das endgültige Abkommen steht. Alles andere wäre zu riskant. Da der oberste Führer, Ajatollah Ali Chamenei, bis jetzt Präsident Hassan Ruhanis Atompolitik unterstützt hat, halten sich die Kritiker in Land auch eher zurück. Zu Wort hat sich nur erneut Oberislamist Hussein Schariatmadari gemeldet. "Da haben wir das gute Pferd mit einem Ackergaul ausgetauscht", sagte der Herausgeber der islamistischen Zeitung "Kejhan".

Iranische Hardliner befürworten zwar eine Einigung im Atomstreit und damit ein Ende der Wirtschaftskrise, aber sie bangen um ihre politische Zukunft. Denn schon im Februar 2016 gibt es Parlamentswahlen.

Die Eckpunkte der Einigung

Die fünf UN-Vetomächte (USA, Russland, China, Frankreich, Großbritannien) sowie Deutschland hatten sich am späten Donnerstagabend mit dem Iran auf die Eckpunkte für ein Rahmenabkommen geeinigt:

Der Iran verpflichtet sich, seine Urananreicherung bis zu 25 Jahre einem mehrstufigen System von Beschränkungen und Kontrollen zu unterwerfen.

In den ersten 10 Jahren müssen mehr als zwei Drittel der bestehenden Kapazitäten zur Uran-Anreicherung stillgelegt werden. Über 95 Prozent des angereicherten Urans müssen verdünnt oder ausgeführt werden.

In den Jahren danach sollen Anreicherung, Forschung und Entwicklung nur in engen Grenzen und unter strikter Kontrolle erlaubt sein.

Alle nuklearen Aktivitäten des Iran werden bis zu 25 Jahre durch die Internationale Atomenergiebehörde kontrolliert. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) nennt das vereinbarte Kontrollsystem "beispiellos in Intensität und Laufzeit".

Im Gegenzug soll der Westen seine Wirtschaftssanktionen aufheben. Sollte der Iran gegen die vereinbarten Regeln verstoßen, können die Strafmaßnahmen aber umgehend wieder in Kraft treten.

Die Sicht der USA

auf lr-online.de/nachrichten