Seit 2006 gab es an ersten Kitas in Brandenburg Sprachtests ("Sprachstandserhebung") für Fünfjährige. Vor gut einem Jahr verabschiedete der Landtag das neue Kita-Gesetz, das auch die Sprachförderung regelt. Bis zum Schuljahr 2009/2010 sollen alle Kitas auf das Förderprogramm vorbereitet sein. Dann wird die Teilnahme für alle künftigen Erstklässler im Land verbindlich, also auch für Kinder, die nicht in einer Kita sind. Das Angebot ist kostenlos. Das Land finanziert das Programm mit jährlich rund 2,5 Millionen Euro.
Bislang wurden mehr als 1400 Erzieherinnen für die Sprachförderung geschult, sagt Katja Braukhane vom Berliner Institut für Frühpädagogik, rund 280 fehlen noch. "Eigentlich sollten Kitas Sprachförderung im Alltag gestalten", sagt Braukhane, "das funktioniert aber nicht so richtig." "Kein Wunder", kontert Frank Schwengbeck. Er leitet die Kita in Werder, die als eine der ersten im Land bei den Sprachtests und der Förderung mitgemacht hat. "Dazu sind die Gruppen viel zu groß." Die Landesempfehlung für Kita-Gruppen liege bei 15 Kindern. Wenn eine Kollegin krank, im Urlaub, zur Fortbildung oder beim Förderunterricht sei, werde die Gruppe noch größer.
Darum machen die Kinder auch gerne die Sprachförderung mit, sagt Sylke Harp, die den Sprachunterricht der "Früchtchen" übernommen hat. In dieser Gruppe sind nämlich nur bis zu sechs Kinder. Vor der Entscheidung, wer gefördert werden soll, stehen die ständige Beurteilung der Kinder und ein Vortest. Erst wer hier die nötige Punktzahl nicht erreicht, muss die eigentliche Sprachstandserhebung mitmachen.

Förderstunden bringen allen etwas
"Das betraf bei uns in diesem Jahr 15 der 47 Kinder des Jahrgangs", erzählt Harp. Der Test dauert etwa eine Stunde. Abgefragt wird etwa, ob das Kind Fehler im Satzbau erkennt ("Das Pferd streichelt den Jungen."), über welchen Wortschatz es verfügt ("Was macht Mutti alles zu Hause?") und wie es mit den Fertigkeiten bei der Satzbildung steht. Schließlich wurde bei elf Kindern besonderer Förderbedarf festgestellt.
"Die Förderstunden haben allen Kindern etwas gebracht", sagt Harp. "Der Wortschatz und damit auch die Sprachfreudigkeit haben sich verbessert." Weniger erfolgreich sei das Grammatik-Training. Sie fände es besser, wenn die Förderung früher ansetzen würde.

Kurztraining wenig hilfreich
Das meint auch Regina Handke. Sie leitet die Kita "Rappelkiste" in Zossen (Teltow-Fläming) und hält nicht viel von dem Kurztraining. "Der Trainingseffekt ist auf keinen Fall von Dauer, schon gar nicht bei der Grammatik." Sprachliche Anregung sei besonders bis zum dritten Lebensjahr wichtig. Die Sorgenkinder kämen aber oft erst mit drei Jahren und würden dann nicht selten nur Ein-Wort-Sätze sprechen.
Agi Schründer-Lenzen, Professorin für Allgemeine Grundschul-Pädagogik an der Universität Potsdam, bestätigt die Erfahrungen aus der Praxis. "Natürlich wäre es schöner, wenn die Sprachstandserhebung und Förderung für alle Fünfjährigen bereits zwei Jahre früher, also bei den Dreijährigen ansetzen würde." Handke und Schwengbeck halten mit ihrer Kritik an dem Förderprogramm kaum hinterm Berg. "Das Geld wäre besser angelegt, wenn man damit den Personalschlüssel verbessern würde", sagt Handke. Und Schwengbeck hält Gruppen von acht Kindern, bei den unter Dreijährigen von vier Kindern, für angebracht. "Dann wäre auch eine frühzeitige und durchgehende Förderung möglich."