Der 64-Jährige kümmert sich um rund 200 Kronleuchter bei der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg. "Das ist schon etwas Einmaliges", sagt Borowski und meint die ungewöhnliche Mischung, die seinen Beruf ausmacht.
Denn Borowski wacht nicht nur über die Kronleuchter, sondern leitet als Elektromeister in erster Linie von Potsdam aus die Elektrowerkstatt der Schlösserstiftung. Mit einer Handvoll Mitarbeitern und einem Lehrling sorgt er dafür, dass die von der Stiftung verwalteten Touristenmagnete - Schlösser, Häuser und Landschaftsparks - mit Energie versorgt werden.
Eine elektrische Station gab es Borowski zufolge bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts im Neuen Palais. Direkt neben diesem Gebäude unweit von Schloss Sanssouci ist die heutige Elektrowerkstatt untergebracht. In dem alten Gemäuer stehen Arbeitsbänke und Regale mit Werkzeugen, an der Tür hängt ein ovales Schild mit der Aufschrift "DDR" und an den Wänden werben Plakate für die Schlösser und Kulturveranstaltungen.
Dazwischen befinden sich Kronleuchter, deren Messing oder Vergoldung auf Vordermann gebracht und angeschlagener Glasbehang ausgewechselt werden muss. Die Bandbreite reicht vom prächtigen Leuchter mit Bergkristall bis hin zum schlichteren, sogenannten Flämischen Leuchter. Die Behänge mit "hochwertigem Schliff" bezieht Borowski von einem österreichischen Spezialisten.
"Die Blüte der Kronleuchter war im 18. Jahrhundert", sagt Burkhardt Göres, Direktor der Schlösser und Sammlungen. "Kronleuchter sind etwas Kostbares, ein Statussymbol." Die Leuchter waren oft teurer als Gemälde und deshalb verfügte nicht jeder Saal über diese Lichtquellen. "Es gab einen Austausch", erklärt Göres. So hätten zu Staatsbesuchen oder Hochzeiten prunkvolle Leuchter sogar die Gebäude gewechselt, seien von Potsdam nach Berlin oder an einen anderen Schlossstandort transportiert worden. Wegen der Ortswechsel kann der Originalstandort eines Leuchters nicht immer sofort bestimmt werden.
In der Schlösserstiftung ist Göres zufolge eine international in der Forschung anerkannte Kronleuchterexpertin tätig. Auf ihren Rat ist auch Elektromeister Borowski angewiesen. Der 64-Jährige geht nach mehr als 40 Jahren Dienst bei der Stiftung im nächsten Jahr in Rente. Wer sich dann um die Kronleuchter kümmert, sei ungewiss, sagt der gebürtige Potsdamer.
"Ich habe niemanden, der die Arbeit mit genug Fingerspitzengefühl weiterführt." Vielleicht werde sich eine andere Abteilung der Stiftung um die glitzernden Lichtquellen kümmern. Für Borowski ist das Hüten der Kronleuchter jedenfalls nicht nur ein Job. "Das ist viel Gefühlssache", sagt er.