Für die Mutter des kleinen getöteten Flüchtlingsjungen Mohamed war es zu viel. Die 28-Jährige nimmt nicht an der Beerdigung ihres Sohnes teil. "Sie verkraftet es nicht", sagt jemand aus der Familie. Die Anteilnahme ist groß: Einige Hundert Menschen begleiten Mohamed auf seinem letzten Weg auf dem Landschaftsfriedhof Berlin-Gatow.

Sehr viele Bosnier sind gekommen, denn die Familie von Mohamed floh vor mehr als einem Jahr aus Bosnien nach Berlin. Auf dem Friedhof in Gatow kann Mohamed nach islamischem Ritus nur in einem weißen Totentuch beigesetzt werden. Doch zunächst wird er in einem schlichten schwarzen Sarg - umhüllt von einem grünen Tuch - von mehreren Männern zu einem Gebetsstein für sein Totengebet getragen. Dutzende Männer drängeln ganz dicht heran, die Frauen halten sich mehr im Hintergrund. Mehrere Sicherheitsleute versuchen, Platz für die Familienmitglieder zu schaffen.

"Wir sind hier in großer Trauer versammelt, unsere Herzen fühlen großen Schmerz", sagt der Vorsitzende der bosnischen Gemeinde zu Berlin nach dem Totengebet. Die Anwesenden seien hier, um um Vergebung zu bitten, wie es die islamische Tradition verlange. "Doch dieser süße kleine Junge hat keine Fehler begangen, wir haben ihm nichts zu vergeben", betont der Redner.

Anschließend zieht der Trauerzug mit dem Sarg zum offenen Grab. Dort wird der kleine Körper in dem Totentuch in das Grab umgebettet. Wieder herrscht dichtes Gedrängel. Viele der Männer wollen helfen, das Grab mit Sand zuzuschütten. Nur mühsam können die Sicherheitsmänner dem Stiefvater von Mohamed einen Weg an das Grab bahnen.

In dem Moment bricht die Sonne durch den wolkenverhangenen Himmel über Berlin. "Das ist ein gutes Zeichen für Mohamed. Der Himmel hat sich für ihn geöffnet", sagt ein Imam.

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Nach islamischem Ritus sollen Tote schnell bestattet werden, meist innerhalb von 24 Stunden. Das wird abgeleitet vom Ausspruch des Propheten Mohammed: "Wenn einer von Euch stirbt, haltet ihn nicht lange fest, sondern eilt mit ihm zu seinem Grab." Eine rituelle Waschung bereitet den Leichnam auf die Beisetzung vor. Die Leichen werden in nahtlos verschnürte weiße Grabtücher gewickelt. Nach dem Totengebet wird der Leichnam mit dem Kopf voraus zum Grab getragen. Das soll so ausgerichtet sein, dass der Tote auf der rechten Seite liegend nach Mekka blickt.