"Wir haben in Deutschland, Gott sei Dank, keine Besatzungszonen mehr", sagt Jörg Vogelsänger. "Das ist auch ein hoher Gewinn für uns alle." Im brandenburgischen Landtag breitet sich Heiterkeit aus, wie so oft bei Reden des SPD-Politikers. Der Landwirtschaftsminister spricht am Rednerpult über die Höfeordnung des Landes Brandenburg. Und seine Rede ist wie üblich in einem volkstümlichen Ton gehalten: Vogelsänger vermeidet die Sprache der Politiker, bemüht sich um Allgemeinverständlichkeit. Doch zuweilen wirkt das eher schlicht. Seit 2010 ist der Sozialdemokrat Landwirtschaftsminister in Brandenburg. Zuvor gehörte er sieben Jahre als direkt gewählter Abgeordneter dem Deutschen Bundestag an. Doch 2009 verlor er sein Mandat und wurde Staatssekretär im Brandenburger Landwirtschaftsministerium. Als Ministerin Jutta Lieske nach wenigen Monaten ihr Amt niederlegte, folgte er ihr nach. Heute indes versieht der SPD-Politiker sein Amt mit Selbstbewusstsein. Wenn er im Landtag redet, benutzt er häufig Formulierungen wie "meine Bauern" und "meine Förster". Und wenn er in der Fragestunde von einem Abgeordneten befragt wird, hagelt es in den Antworten oft Sätze, die mit den Worten "Ich habe angeordnet" oder "Ich habe entschieden" beginnen. Für den Landesvorsitzenden des Bundes deutscher Forstleute, Jan Engelmannn, wirkt das inzwischen "wie Hohn". Der Geschäftsführer des Brandenburger Bauernbundes, Reinhard Jung aus Lennewitz, ist da gelassener: "Wir lassen uns ohnehin nicht vereinnahmen."

"Patron der Massentierhaltung"

Kritischer sieht der Verbandsvertreter auf die Politik des Fachministers. Zwar betont Vogelsänger immer wieder, dass auch der Ökolandbau für Brandenburg wichtig sei, doch vor allem nimmt der SPD-Politiker derzeit die durch das Volksbegehren gegen Massentierhaltung in die Kritik geratenen Tierhalter in Schutz. "Er ist der Patron der Brandenburger Massentierhaltung", sagt der Grünen-Abgeordnete Benjamin Raschke. Eine große Nähe hat Vogelsänger zum Präsidenten des Landesbauernverbands, Udo Folgart, der als SPD-Landtagsabgeordneter zugleich der in der größeren Regierungsfraktion zuständige Fachpolitiker für Landwirtschaft ist. "Er sitzt dem Bauernverband auf dem Schoß", sagt Raschke. "Er wird eng vom Bauernverband beraten." Beide verbindet auch die Nähe zum Verband "Pro Agro", dessen Förderung nun vom Rechnungshof kritisiert wurde - am gestrigen Montag sprach das Prüfgremium von einem Verstoß gegen das Zuwendungsrecht, zudem lagen im Ministerium auch die Voraussetzungen für Projektförderungen anderer Vereine und Verbände regelmäßig nicht vor.

Reinhard Jung indes kritisiert auch die eigene Politik des Ministers: Zwar sei der Umgang mit ein ander gut, in wichtigen Fragen stünde man aber gegeneinander. "Seine Begeisterung für gigantische Stallanlagen teilen wir nicht", sagt Jung. Und enttäuschend sei die Bilanz des Ministers im Naturschutz - einem Themenfeld, das erst mit Beginn dieser Legislaturperiode wieder zum Agrarministerium kam. "Aber ich habe den Eindruck, dass er inzwischen aus dem Schatten früherer Ratgeber heraustritt und eigene Akzente setzt." Zum Beispiel bei der Höfeordnung, die durchaus den Interessen der bäuerlichen Familienbetriebe entspreche.

Im Forstbereich dagegen gibt es weiter Kommunikationsprobleme: Im Sommer hatten Mitglieder des Bundes deutscher Forstleute einen im Haus entstandenen "Maulkorberlass" kritisiert. Erst nach langem Hin und Her war der Erlass schließlich zurückgenommen worden. Das Klima im Haus habe sich aber nicht verbessert, berichteten BdF-Vertreter der RUNDSCHAU in der vergangenen Woche.

"Persönlich ist das Klima gut"

Und schon im Sommer hatten auch Vertreter der Linksfraktion Vogelsänger öffentlich kritisiert, was so zuvor nur bei der glücklosen ehemaligen Bildungsministerin Martina Münch (SPD) zu beobachten war. Das freilich will Thomas Domres, Landwirtschaftsexperte der Linken, nicht als generelle Kritik an Vogelsänger verstanden wissen. "Persönlich ist das Klima gut, politisch haben wir wie in jeder Koalition Gemeinsamkeiten und Differenzen", sagt der Landwirtschaftsexperte der Linken. Bei der Massentierhaltung, bei der Frage nach einem Verbandsklagerecht für Tierschützer oder dem von Vogelsänger abgeschafften Nachhaltigkeitsbeirat gibt es Differenzen. "Man merkt, dass er für bestimmte Themen brennt und Feuer gefangen hat, dass ihm aber anderes auch herzlich egal sein kann", sagt Domres. "Aber das lässt dann uns Abgeordneten auch Raum für die parlamentarische Arbeit."