Mehr als 30 Jahre nach Götz Georges erstem "Tatort"-Ausflug auf die Leinwand als Hauptkommissar Schimanski tritt nun Til Schweiger an. Der gerade veröffentlichte Trailer lässt erahnen, wo es hingeht: Action, Gewalt, Explosionen. Mehr ist noch nicht bekannt, denn Schweiger zieht seine rigorose Linie gegen Kritiker durch. Über seinen neuen Film darf wieder einmal erst mit einer Sperrfrist berichtet werden. Die "Diva", als die Schweiger in der Branche verschrien ist, hat wohl Angst vor kritischen Stimmen. Seine Fernseh-Tatorte zum Jahreswechsel hatte er auch der Öffentlichkeit vorenthalten - und dann auf Facebook eine Tirade gegen seine Kritiker losgelassen. Und das, obwohl die weitgehend ausgewogen über die Gewaltorgie des Hamburger Tatorts berichtet hatten.

Vier Folgen für die Hamburger Ausgabe der ARD-Krimireihe hat Schweiger als Nick Tschiller gemeinsam mit seinem Ermittlerkollegen Yalcin Gümer (Fahri Yardim) abgeliefert. Mit dem Debüt 2013 gelang ein Quotenrekord, den kurz darauf das Münsteraner Team wieder knackte. Die bisher letzten beiden Folgen der fortlaufenden Geschichte Anfang dieses Jahres schalteten deutlich weniger Zuschauer ein.

Odyssee durch halb Europa

Im Kinofilm "Tschiller: Off Duty" begibt sich der vom Dienst suspendierte Ermittler nun auf eine atemlose Odyssee durch halb Europa. Das kündigen die Macher an. Mit von der Partie ist neben Yardim auch wieder Schweiger-Tochter Luna, Regie führte wie schon bei allen TV-Ausgaben Christian Alvart.

Im Trailer und auf einigen veröffentlichten Bildern sieht man Schweiger so, wie man ihn aus dem Hamburg-Tatort kennt: angeschlagen, verdreckt, mit der Waffe im Anschlag. Tschiller macht da weiter, wo er im Fernseh-Tatort aufgehört hat, nur eben jetzt außer Dienst, auf privater Mission gegen das Böse. Die TV-Tatort bilden "die inhaltliche Voraussetzung für den Kinofim", verrät die Filmfirma Warner Bros vorab. "Doch dessen Handlung ist trotzdem in sich geschlossen und wird auch von jedem Zuschauer verstanden, der die TV-Filme nicht gesehen hat."

Wird Schweiger zum neuen Bond? Im Interview mit der Hamburger "Morgenpost" spielt er zumindest mit dem Image: "Die Absicht war es, einen spektakulären Actionfilm made in Deutschland zu bieten, der sich international sehen lassen kann. Wenn Zuschauer den Vergleich mit Bond ziehen, nehmen wir das gern als Kompliment", so Schweiger. Er schränkt allerdings gleich ein: "Nur darf man dabei nicht vergessen, dass Regisseur Christian Alvart diesen Film für acht Millionen Euro gedreht hat - und 007 hat ein Budget von 300 Millionen zur Verfügung."

Für Schweiger ist der Kino-Tatort eine Gratwanderung. Er gehört zu den erfolgreichsten deutschen Schauspielern und Filmemachern. Seine Rolle als Jo Zenker in der ARD-Serie "Lindenstraße" Anfang der 1990er-Jahre machte ihn bekannt. Durch Kinohits wie "Der bewegte Mann" oder "Knockin' on Heaven's Door" wurde der Frauenschwarm zum gefeierten Filmstar. Weitere Blockbuster gelangen Schweiger, der auch als Produzent und Regisseur arbeitet, mit "Keinohrhasen", "Zweiohrküken", "Kokowääh" oder zuletzt mit "Honig im Kopf". Der 52-Jährige polarisiert aber auch und eckt immer wieder an, etwa indem er Kritiker beschimpft. Einmal trat er aus der Deutschen Filmakademie aus, weil er sich darüber geärgert hatte, dass "Keinohrhasen" für den Filmpreis nicht berücksichtigt worden war.

Für TV-Tatort unterschrieben

Mit Nick Tschiller soll es übrigens auch nach dem Kino-Tatort weitergehen. "Ich habe für vier weitere Folgen unterschrieben, und wir wollen uns im März zusammensetzen", erklärte Schweiger in Interviews. Offen sei noch, wie es inhaltlich nach dem Kino-Abstecher weitergehen soll.