Berlinale ging an das eindringliche Drama "La Teta Asustada" ("Die Milch des Leids") und damit erstmals in der Geschichte des Festivals nach Peru. Die Regisseurin Claudia Llosa erzählt auf poetische Weise von einer jungen Frau (Magaly Solier), die an den Folgen des Jahre zurückliegenden Terrorsystems in dem Andenstaat leidet. Das Werk vereint künstlerische Ausdruckskraft mit einem Appell zur Aufarbeitung der politischen Vergangenheit.Die 32-jährige Llosa holte mit ihrem Film auf Anhieb den Hauptpreis in ihr Heimatland, das das erste Mal überhaupt am Wettbewerb der Internationalen Filmfestspiele Berlin teilnahm. "Ich wünsche mir, dass der Preis die Aufmerksamkeit wieder auf die Opfer lenkt und das Thema wieder ins Bewusstsein der Menschen bringt", sagte die Peruanerin Llosa, eine Nichte des Schriftstellers Mario Vargas Llosa. Bis in die 90er-Jahre sollen in Peru bei Kämpfen der linken Guerilla-Organisation "Leuchtender Pfad" und der Regierung Zehntausende Menschen ermordet und Tausende Frauen vergewaltigt worden sein.Das deutsche Kino überzeugte die Jury mit Maren Ades fein beobachteter Beziehungsstudie "Alle Anderen" - einem treffenden Porträt der Generation der Dreißigjährigen, das gleich zwei Silberne Bären holte. Hauptdarstellerin Birgit Minichmayr wurde als beste Schauspielerin geehrt. "Alle Anderen" gewann außerdem den Großen Preis der Jury, der zu gleichen Teilen auch an die liebenswerte Tragikomödie "Gigante" von Adrián Biniez aus Uruguay ging."Alle Anderen" ist nach dem Lehrerinnen-Drama "Der Wald vor lauter Bäumen" erst der zweite Spielfilm der 32-jährigen Ade. Sie produzierte den Film auch selbst. "Ich bin sehr glücklich, auch wenn ich nicht so wirke", meinte die Regisseurin, die vor Freude ganz aufgelöst war.In der Konkurrenz um den Hauptpreis machten nicht wie erwartet die explizit politischen Filme wie der deutsche Beitrag "Sturm" von Hans-Christian Schmid über das Haager Kriegsverbrechertribunal oder das US-amerikanische Anti-Kriegsdrama "The Messenger" von Oren Moverman das Rennen. Die Jury - der neben der britischen Schauspielerin Tilda Swinton als Vorsitzender auch Film- und Theaterregisseur Christoph Schlingensief und der schwedische Bestsellerautor Henning Mankell angehörten - entschied sich für ein Werk, das das Leiden von Opfern politisch motivierter Gewalt auf unterschwellige Art zeigt.Zum Festivalstart hatte die Jury erklärt, dass das Kino mit politischen Botschaften durchaus die Welt verändern könne. Nicht verwunderlich ist es deshalb, dass der Preis für die beste Regie in den Iran ging. Asghar Farhadi beschreibt in "Alles über Elly" anhand eines dramatisch endenden Wochenendausflugs das Leben der gebildeten iranischen Mittelschicht. Er enthüllt dabei, wie unterschiedlich der Stellenwert von Frauen und Männern in dieser Gesellschaft ist. dpa/fxk