Shechtman hatte nach seiner Entdeckung jahrelang den erbitterten Widerstand und das Gelächter seiner Kollegen aushalten müssen – und flog aus seinem Forscherteam heraus. Der 70-jährige Shechtman arbeitet ebenso wie seine Frau Zipi und ein Sohn des Paares an der Technischen Hochschule in Haifa.

Die meisten Materialforscher hielten die von Shechtman beschriebenen Kristallstrukturen für nicht möglich. Sie dachten, es gebe entweder ganz regelmäßige Kristallgitter, etwa das streng symmetrisch aufgebaute Kochsalz, oder amorphe Stoffe, wie bestimmte Gläser. Shechtmans Quasikristalle aus Aluminium und Mangan waren mit ihrer fünfstelligen Symmetrie zwar geordnet, aber nicht periodisch aufgebaut.

„Seine Arbeit traf auf große Skepsis. Aber Dank der hohen Qualität seiner Daten konnte der Meinungsstreit beendet werden“, betonte der Chef des Chemie-Nobelkomitees, Lars Thelander. Der frisch gekürte Chemie-Nobelpreisträger gehörte nach Angaben seiner Frau Zipi zu den Professoren, über die man sich auf Fachkongressen heimlich lustig gemacht habe. Denn er glaubte nicht an die damaligen chemischen Dogmen, sondern vertraute dem, was er mithilfe seines Elektronenmikroskops selbst gesehen hatte.

Erste Ansätze für eine Anwendung der Quasikristalle gibt es schon: Daraus könnten sehr dünne und harte Nadeln entwickelt werden, die aber gleichzeitig nicht zerbrechen, erläuterte der emeritierte Materialphysiker Professor Östen Rapp von der Königlich-Technischen Hochschule Stockholm.

„Das war ein Preis, der eigentlich schon vor einiger Zeit fällig gewesen wäre“, sagte Gerhard Ertl, Chemie-Nobelpreisträger von 2007. Die Symmetrie der Quasikristalle widerspreche dem üblichen Ordnungsprinzip. Ähnliche Strukturen hatten schon zahlreiche Forscher zuvor gesehen, doch – wie vor der Entdeckung des Penizillins – keinerlei Schlüsse daraus gezogen.