Gratis-Korane sollen auch an diesem Samstag in den Fußgängerzonen einer ganzen Reihe von Städten verteilt werden - ein Geschenk der islamistischen Salafisten. Die vom Verfassungsschutz beobachtete extremistische Gruppe drängt an die Öffentlichkeit.

Angeblich ist die Aktion bundesweit in etwa 30 Städten geplant, darunter in Bielefeld, Konstanz, Fulda, Bremen, Wiesbaden und Düsseldorf. Schon am Ostersamstag waren die traditionell gekleideten Männer allein in Nordrhein-Westfalen in 13 Städten aktiv. Insgesamt 25 Millionen Exemplare wollen sie in Deutschland, Österreich und der Schweiz unter die Leute bringen.

Der Verfassungsschutz in Nordrhein-Westfalen schätzt die von dem salafistischen Prediger Abou Nagie organisierte Aktion als "aktuellsten Ausdruck der offensiven Missionierungsarbeit dieser islamistischen Strömung" ein. Was sich vordergründig eine Verteilaktion nenne, sei in Wahrheit die subtile Verbreitung einer islamistischen Ideologie.

Im Internet nennt Abou Nagie das Geschenk an die "Nicht-Muslime" eine "herzliche Einladung zur einzig wahren Religion, dem Islam". Der Drahtzieher wird als Hassprediger eingestuft. Vor dem Amtsgericht Köln ist gegen ihn Anklage erhoben worden, weil er zu Straftaten aufgerufen und andere religiöse Bekenntnisse - Christen-und Judentum - beschimpft haben soll.

Der politische Salafismus gilt als ein ideologischer Nährboden für den internationalen Terrorismus. "Viel läuft übers Internet", berichtet Christoph Grotepass, Berater beim Sekten-Info in Nordrhein-Westfalen. Wer nach Informationen über den Islam suche, lande schnell auf den Seiten der islamistischen Salafisten. Und da finden sich oft Video-Botschaften der Prediger. "Das sind dann keine alten Männer, es sind junge Leute", sagt Grotepass und warnt: "Es ist interessant, etwas anderes." Salafisten predigen den Islam als Lösung und die westliche Welt als verwerflich. Scheidungen, Frauen in kurzen Röcken: "Willst Du, dass Deine Schwester so herumläuft?" Orientierungslose junge Leute werden angesprochen durch ein System mit simpler Ansage, das in die Parallelwelt hineinführen kann.

In ganz Deutschland gibt es laut Verfassungsschutz etwa 2700 Salafisten, im größten Bundesland Nordrhein-Westfalen sind es rund 500. Einer ihrer Treffpunkte ist eine Hinterhofmoschee in Solingen.