"Sie hat ein so markantes Gesicht", ihr Mienenspiel sei so lebhaft, schwärmt der heutige Karikaturist Arno Funke. Der Mann mit den vielen Talenten wird heute 65 und hat noch viel vor.

"Meine Rente ist so gering, ich muss sowieso weiter arbeiten - macht mir ja auch Spaß. Ich kann mich nicht hinsetzen und vor mich hindösen", sprudelt es aus Funke heraus. Ob er noch Schulden wegen damals abzahlen müsse? "Ich hab mich mit Karstadt geeinigt, nicht darüber zu reden", gibt sich der Zeichner auf einmal zurückhaltend.

Der gelernte Schilder- und Lichtreklamehersteller sorgte in den 90er-Jahren bundesweit für Aufsehen, als er mit ausgeklügelten Tricks und gescheiterten Geldübergaben die Polizei in Atem hielt. 1994 wurde er gefasst und 1995 genau an seinem 45. Geburtstag verurteilt. In einem zweiten Prozess wurde 1996 die Strafe auf neun Jahre festgesetzt. Er wurde auch verpflichtet, fünf Millionen D-Mark (rund 2,5 Millionen Euro) Schadenersatz zu zahlen. Im Sommer 2000 kam Funke vorzeitig frei.

Den Spitznamen "Dagobert" ist der Geläuterte nie losgeworden. Polizei und Medien nannten ihn so, weil er per Zeitungsannonce mit dem Satz "Onkel Dagobert grüßt seine Neffen" das Signal zur Geldübergabe geben wollte. Dafür deponierte er dann eine Streusandkiste über offenem Gully oder baute eine ferngesteuerte Lore für die Übergabe. Um Geld zu erpressen, hatte er in mehreren Karstadt-Filialen auch Sprengsätze detonieren lassen.

Nach der Haft bekam er einen festen Vertrag als Zeichner beim Satiremagazin "Eulenspiegel" und startete neu. Der Ur-Berliner schrieb auch Bücher mit selbstironischer Anspielung wie "Ente kross". An einem neuen Titel arbeite er schon jahrelang - "ich werde immerzu abgelenkt". Aber offensichtlich von sich selbst. Funke berichtet freudestrahlend, wie er an einer 3-D-Kamera bastele - das technische Tüfteln sei ihm wohl in die Wiege gelegt worden. Zu seinem Geburtstag würde sich der umtriebige Berliner am liebsten verdrücken. "66 zu werden, finde ich viel interessanter."