Es war ein Tag, wie ihn Iran in seiner Jahrtausende alten Geschichte noch nicht gesehen hatte. Millionen Menschen säumten am 1. Februar 1979 die Straßen der Hauptstadt Teheran, um einen Helden zu empfangen. Ajatollah Ruhollah Khomeini kehrte nach Jahrzehnten des unfreiwilligen Exils in das Land zurück, aus dem sein Erzfeind, der Schah, Tage zuvor geflohen war. 76 Jahre alt war der Theologe zum Zeitpunkt seines größten Triumphs und doch war er die Zukunftshoffnung eines Volkes, das sich nach Jahrzehnten der vom Westen unterstützten Schah-Diktatur nach Freiheit und Selbstbestimmung sehnte.
"Khomeini strahlte Spiritualität aus", als ihn eine Boeing 47 der Air France aus dem französischen Exil nach Teheran brachte, erinnert sich sein Weggefährte Sejed Mohammed Sadschadi 25 Jahre danach. Mehrmals habe die Boeing vor der Landung die Hauptstadt Teheran überflogen, und als sie am Boden war, wollte Khomeini nicht als erster aussteigen. "Er wollte erst seinen älteren Bruder aussteigen lassen. Er mahnte uns zum Respekt vor der Rangordnung, selbst in solchem Moment", erzählt Sadschadi.
Khomeini konnte sich die würdevolle Ruhe erlauben. Lange hatte er gewartet, Jahrzehnte in den Kampf gegen die von ihm als ungläubig und verräterisch gebrandmarkte Pahlevi-Dynastie investiert, die Iran im Schnellschritt in einen westlich geprägten, modernen Industriestaat verwandeln wollte.
Im November 1964 war der Religionsgelehrte bewusst auf Konfrontationskurs zum Schah-Regime gegangen, als er den von den USA unterstützten Monarchen in einer Predigt als "amerikanischen Hund" geißelte. Kurze Zeit später wurde er ins Exil gezwungen und ließ sich schließlich wie viele andere iranische Exilanten auch in der irakischen Stadt Nadschaf, dem traditionellen Zentrum schiitischer Gelehrsamkeit, nieder.
In seinen religiösen und politischen Schriften radikalisierte sich Khomeini zusehends. Er sah sich als Revolutionär, der bewusst mit der schiitischen Gelehrtentradition der Weltabgewandtheit und des Nichteinmischens in die Politik brach. Im Exil entwickelte er aus der klassischen schiitischen Theologie heraus seine Ideologie der "wilajet-e fakih" ("Herrschaft des Religionsgelehrten"), die Staat und Geistlichkeit untrennbar aneinanderschmiedet und bis heute die verfassungsrechtliche Grundlage der Islamischen Republik Iran ist.
Aus dem Exil heraus nutzte Khomeini auch geschickt neue Methoden der Kommunikation: Auf Tonkassetten wurden seine Predigten nach Iran geschmuggelt und millionenfach vervielfältigt. Sie fanden eine faszinierte, rasch wachsende Anhängerschaft. Bis zur islamischen Revolution 1979 kannten viele Iraner nur Khomeinis Stimme, nicht jedoch sein Gesicht. Die Worte des charismatischen Theologen brachten den Pfauenthron des Schahs zunächst ins Wanken und die Jahrtausende alte Monarchie, die älteste der Welt, schließlich zu Fall.
"Millionen Menschen warteten, um ihn im Triumph zu empfangen", erinnert sich Sadschadi an den 1. Februar. "Wo man auch hinsah: Man sah den Zorn Gottes." Gleich nach seiner Ankunft versprach Khomeini "eine Regierung, die auf göttlicher Ordnung beruht und die sich allen entgegenstellt, die Gott und den Willen des Volkes verleugnen".
Dass sich die Stimmung in Iran 15 Jahre nach Khomeinis Tod 1989 gedreht hat und viele Iraner eine Lockerung der strengen religiösen Vorschriften wünschen, bedauert Sadschadi. "Leider hat sich die Geisteshaltung der Iraner geändert. Würde das Leben von Imam Khomeini noch als Modell gelten, dann hätten wir jetzt nicht die Probleme, die wir haben."