Und gleich zieht Naser Qasem seinen Trumpf aus dem Ärmel. Denn er beherrscht etwas, was sonst keiner in Hoyerswerda anbietet: die Fadentechnik. Feine, kaum sichtbare Gesichtshaare lässt der gelernte Barbier mit einem herkömmlichen Faden verschwinden. Auch eine "Spezialität" von dem dreifachen Familienvater: Nasen- und Ohrenhaare mit heißem Wachs oder Feuer entfernen. Dinge, die viele aus dem Urlaub in südlichen Ländern kennen.

Seit mehr als einem Jahr ist der Libanese nun schon im Hoyerswerdaer Salon Haarschneider. Chef Heiko Schneider ist von seinem Können überzeugt. "Naser passt wunderbar in unser Herrenkonzept. Seine Arbeit hat einen Mehrwert, den auch die Kunden kennen", sagt Heiko Schneider. Die Resonanz der Kunden und des Teams sei von Beginn an super gewesen.

An die kulturellen Unterschiede hat sich der gelernte Friseur mittlerweile gewöhnt. Anfangs waren Terminvereinbarungen noch Neuland für ihn. "Im Libanon gab es so etwas nicht. Wenn ein Kunde da war, dann wurde gearbeitet", sagt Naser. Jetzt arbeitet er in zwei Schichten.

Er und seine Familie fühlen sich wohl in Hoyerswerda. Zu fünft haben sie schon vor längerer Zeit eine kleine Wohnung im Osten der Stadt bezogen.

"Unser Traum ist es, hier zu bleiben", sagt der 40-Jährige mit einem Leuchten in den Augen. Seine Frau Yasmin, gelernte Krankenschwester, hofft momentan auf eine Beschäftigung im Krankenhaus. "Im Sommer kann sie dann hoffentlich auch arbeiten gehen", erzählt Naser.

Doch ganz abgeschlossen hat Familie Qasem nicht mit ihrer Heimat. "Wenn der endgültige Reisepass da ist, fliegen wir, um meine Mama und meine drei Schwestern zu besuchen", sagt Naser. Und wieder leuchten seine Augen.