Lindner informierte am Mittwoch zunächst Parteichef Philipp Rösler. Im Anschluss unterrichtete er den NRW-Landesvorsitzenden Daniel Bahr, Bundestags-Fraktionschef Rainer Brüderle und den FDP-Ehrenvorsitzenden Hans-Dietrich Genscher. Seit genau zwei Jahren erkläre und verteidige er die FDP-Politik, betonte Lindner. Er dankte dem früheren Parteivorsitzenden Guido Westerwelle und dessen Nachfolger Rösler für die Zusammenarbeit.

„Es gibt den Moment, in dem man seinen Platz freimachen muss, um eine neue Dynamik zu ermöglichen. Die Ereignisse der vergangenen Tage und Wochen haben mich in dieser Einschätzung bestärkt“, sagte Lindner. Den umstrittenen Euro-Mitgliederentscheid in seiner Partei erwähnte er nicht. Der Entscheid endete am Dienstag, am Freitag wird das Ergebnis erwartet. Mit seinem Schritt ermögliche er Rösler, die wichtige Bundestagswahl 2013 mit einem neuen Generalsekretär und neuen Impulsen vorzubereiten, um die Wahl zu einem Erfolg für die Partei zu machen. Sein Bundestagsmandat will Lindner behalten. Er werde im Parlament weiter für den politischen Liberalismus kämpfen. Dieser werde dringender denn je gebraucht. „Er hat nur eine politische Heimat, die FDP“, schloss Lindner sein kurzes Statement. Fragen ließ der scheidende Generalsekretär nicht zu.

NRW-FDP-Chef Daniel Bahr bedauert den Rücktritt und dankte Lindner für dessen Einsatz. Der Fraktionsvorsitzende der FDP im Düsseldorfer Landtag, Gerhard Papke, wertete den Rücktritt als „substanzielle Schwächung in der Führung der FDP“. Lindner scheide erhobenen Hauptes aus dem Amt. Die FDP werde auch in Zukunft auf Lindners „außergewöhnliche Fähigkeiten nicht verzichten können“. Lindner war 2004 bis 2010 Landesgeneralsekretär der FDP an Rhein und Ruhr. Der Mit-Initiator des Euro-Mitgliederentscheids, Burkhard Hirsch, hält den Schritt Lindners „nicht für richtig“. Hirsch nannte Lindner im TV-Sender Phoenix „eine der Hoffnungen der Liberalen“. „Ich wünsche und hoffe, dass er weiter der Partei zur Verfügung steht“, sagte Hirsch. Er mutmaßte zugleich, dass nicht parteiinterner Druck rund um den Mitgliederentscheid allein der Anlass für Lindners Schritt war: „Das muss einen anderen Grund haben als die Auseinandersetzung der vergangenen Tage.“

Der neuen Parteispitze um Rösler war es in den vergangenen Monaten nicht gelungen, die FDP zu alter Stärke zu führen. Im neuen Wahltrend von „Stern“ und RTL verharrt die FDP bei drei Prozent. Der Politologe Oskar Niedermayer sieht die FDP in einer schweren Krise. „Schlimmer kann es für die Partei, glaube ich, schon nicht mehr werden. Der Rücktritt von Lindner ist ja durchaus auch zu werten als Eingeständnis des Scheiterns der neuen jungen Führungsriege“, sagte Niedermayer dem Nachrichtensender n-tv. Der Politikwissenschaftler fügte hinzu: „Ich sehe gar keine Möglichkeit mehr, dass Herr Rösler den Karren noch wirklich aus dem Dreck ziehen kann.“

Der gebürtige Wuppertaler Lindner war im Jahr 2000 in den Düsseldorfer Landtag eingezogen. Als Jungspund der Liberalen in Nordrhein-Westfalen wurde Lindner vom damaligen FDP-Landeschef Jürgen Möllemann scherzhaft „Bambi“ getauft. 2004 wurde er Generalsekretär der nordrhein-westfälischen FDP, seit 2009 gehört er dem Bundestag an. Sein Spitzname blieb.

Lindner ist Hauptmann der Reserve. Neben seinen Reservisteneinsätzen fährt der 32-Jährige in seiner Freizeit gern schnelle Sportwagen oder schaut alte Filme mit dem Schauspieler Steve McQueen. Mit Niederlagen musste er schon lernen umzugehen. Als ganz junger Mann war er mit einer Startup-Firma gescheitert.

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zum thema M it dem Lindner-Rücktritt ist die FDP nach Ansicht des Kieler Fraktionschefs Wolfgang Kubicki in eine Führungskrise gestürzt. Er befürchte jetzt weitere Personaldebatten, sagte Kubicki. „Das ist etwas, was wir jetzt eigentlich am wenigsten gebrauchen können.“ Er habe den Rücktritt Lindners fassungslos aufgenommen, sagte Kubicki. Die Jungliberalen haben die Streitigkeiten innerhalb der Partei kritisiert. „Wir sollten die Entscheidung respektieren, auch wenn wir sie bedauern. Aber jetzt müssen alle sich als Team begreifen und endlich dafür sorgen, dass die Liberalen nicht nur über Personalquerelen, sondern auch mal wieder über Inhalte wahrgenommen werden“, sagte der Vorsitzende der Jungen Liberalen, Lasse Becker. Die Forderung des früheren Innenministers Gerhart Baum nach einem kollektiven Rücktritt der Führungsspitze halte er für „ab surd“.