„Wenn bei mir einer einen Tee bestellt und
mit 100 Euro bezahlen will, dann gebe ich ihm das
Getränk wohl besser auf Kosten des Hauses.“
 Ein Cottbuser Café-Inhaber


Peter Funke, Leiter der Filiale der Bundesbank in Cottbus, fesselt die Inhaber von Cafés, Gaststätten, Geschäften, Fahrschulen und anderen Einrichtungen, die im täglichen Geschäftsleben viel mit Bargeld zu tun haben, gleich zu Beginn mit einer überraschenden Aussage: „Es ist nichts echt, was auf unseren Euro-Banknoten drauf ist, außer, dass die Geldscheine echt sind, wenn sie nicht gefälscht wurden.“ Was Funke damit sagen will: Die Bauwerke, die auf den sieben Banknoten mit Werten zwischen fünf und fünfhundert abgebildet sind, gibt es in keinem der zwölf Länder und drei Stadtstaaten, in denen der Euro offizielles Zahlungsmittel ist, wirklich. „Sie sind alle von Künstlern entworfen“ , sagt der Banker.
Diese Kunstwerke, so hatten die Bankchefs der EU-Länder und deren Finanzminister vor der Einführung der sieben farbenfrohen Geldscheine und der acht verschiedenen Euro-Münzen versichert, seien absolut fälschungssicher. Peter Funke und seine Falschgeld-Expertin Stefanie Liehr müssen heute zugeben: „An dem Euro ist inzwischen fast alles gefälscht, bis auf zwei Ausnahmen.“ Vor allem den Ausnahmen widmen sich die Unternehmerinnen und Unternehmer beim Kippen, Sehen, Fühlen. Denn echtes Falschgeld hat von ihnen noch keiner in der Hand gehabt. Oder, es ist ihnen nicht bewusst geworden. Bei Euroscheinen ab 50 Euro ist es das Farbenspiel der Wertangabe auf der Rückseite rechts unten, das bisher allen Versuchen standhielt, es zu imitieren. Beim „Kippen muss sich die Zahl von purpurrot auf olivgrün oder braun verändern“ , sagt Stefanie Liehr und demonstriert einen kleinen Trick. Die Ecke leicht nach oben gebogen, und schon könne man auch beim Zählen vieler Banknoten das Farbenspiel kontrollieren. Den Fälschern bisher ungelöste Rätsel hat laut Funke auch der Markierungsstreifen auf der Vorderseite vor der Wertangabe aufgegeben. Die Riffelung ist bei echten „Fuffzigern“ und anderen Scheinen beim Kratztest mit dem Fingernagel deutlich spürbar, erläutern die Experten.
Während die Geldprüfmaschinen der Bundesbank knapp 50 spezifische Merkmale der Euro-Scheine durchchecken, könne der Laie bei seiner Prüfung an sieben Merkmalen echte von gefälschten Geldscheinen unterscheiden. Von „Blüten“ mag Funke bei den illegal hergestellten Banknoten nicht mehr sprechen. „Blüten waren die ersten primitiven Kopien“ , sagt er. Inzwischen seien kriminelle Spezialisten am Werk, die international vernetzt sind und arbeitsteilig Falsifikate herstellen. Die Ende 2004 in Caputh bei Potsdam ausgehobene professionelle Fälscherwerkstatt mit modernsten Computern, Offset-Druckmaschinen, Spezialpapier und -farbe, Hologrammfolien und Prägeplatten sei augenscheinlicher Beweis.
Als die Bundesbanker dann falsche Scheine in der Runde in Umlauf bringen, wird bei den Nachgemachten die Professionalität sicht- und spürbar. Man muss schon gründlich sein, um festzustellen, dass Wasserzeichen dunkler geraten sind als auf den echten Scheinen, dass Papier glatter ist, die erhabenen Aufdrucke eben doch nicht so erhaben sind oder der silbrige Spezialfoliestreifen auf den Scheinen zu fünf, zehn und 20 Euro eben nicht wechselseitig den Wert und das Eurosymbol zeigen.
Wem das Gefühl abgeht, der kann sich ja immer noch auf den UV-Lampentest verlassen. Ruck, zuck sind die Scheine druntergelegt, und alles ist erkannt. Wirklich„ Funke gibt eine Episode aus einem Supermarkt zum Besten. Als er eine Kassiererin fragte, was sie denn bei dem 100-Euro-Schein sehe, habe er zur Antwort bekommen: „Der leuchtet so schön, also ist er in Ordnung.“ Dass auch Falschgeld leuchtet, sei vielen nicht bekannt, weiß der Cottbuser Filialleiter. „Man muss eben wissen, was unter einer Lampe wie erscheinen muss und was nicht“ , erkennt er Schulungsbedarf. Es sei vielfach unbekannt, dass die blaue Flagge der EU unter dem UV-Licht grün wird, die Sterne sich orange färben, wenn der Schein echt ist.
Falschgeld ist von (fast) jedem erkennbar, der sich Banknoten genau ansieht. Doch wer kann im Trubel des Geschäfts schon all diese Merkmale prüfen“ Wenigstens drei sollte man vor allem bei großen Scheinen genauer betrachten, raten die Experten. Wer sich nämlich Falschgeld unterjubeln lässt, ist der Angeschmierte und hat den Schaden. Er darf es nicht weitergeben, sonst macht er sich strafbar, und von der Bank bekommt er es auch nicht ersetzt. „Wenn bei mir einer einen Tee bestellt und mit 100 Euro bezahlen will, dann gebe ich ihm das Getränk wohl besser auf Kosten des Hauses“ , erklärt ein Cottbuser Café-Inhaber. Der Schaden sei dann weitaus leichter zu verkraften.
An dieser Stelle beruhigen die Bundesbanker dann doch. Im vergangenen Jahr seien bundesweit 74 000 falsche Banknoten mit einem Schaden von knapp fünf Millionen Euro entdeckt worden. Im Jahr zuvor waren es 81 000 Stück. Das waren 23 bzw. 15 Fälschungen je einer Million Banknoten. In Cottbus und dem Spree-Neiße-Kreis registrierte die Polizei in diesem Jahr bisher 37 falsche Banknoten und 209 gefälschte Münzen. Im Jahr zuvor waren es bis November 146 gefälschte Scheine und Münzen, im Jahr 2004 insgesamt 163 Stück. Mit 45 Prozent lagen bisher die „falschen Fuffziger“ an der Spitze. Mit 23 bzw. 22 Prozent folgten die 100- und die 20 Euro-Scheine. Zwölf Prozent der aus dem Verkehr gezogenen Falsifikate waren demnach 200-Euro-Noten. Inzwischen aber hat sich laut Funke die Hitliste des Falschgeldes etwas verändert. Im September lagen die 100-Euro-Noten ganz vorn, während die Fünfziger in der Gunst der Geldfälscher absackten. Offensichtlich wollen die Kriminellen noch schnell viel Kohle machen, denn für das Jahr 2010 hat die Europäische Zentralbank (EZB) eine neue Banknotenserie angekündigt. Die sei dann, so verlautet aus EZB-Kreisen, garantiert fälschungssicher.
Welch schöner Traum!