Doch dazu sollte es nicht mehr kommen. Kurz nachdem er im Herbst 1963 die lange geplante Weltreise mit seinem Lebensgefährten angetreten hatte, starb der legendäre Schauspieler, Regisseur und Intendant in einem Hotel in der philippinischen Hauptstadt Manila. Er hatte eine Überdosis Schlaftabletten genommen. Auch 50 Jahre nach seinem Tod polarisiert der Künstler, der durch seine Rolle des "Mephisto" in Goethes "Faust" weltberühmt wurde - nicht zuletzt wegen seiner kontrovers diskutierten Rolle im Nationalsozialismus. Er war - so der Biograf Thomas Blubacher - je nach Perspektive der skrupellose, erfolgssüchtige Karrierist, "ein Virtuose im Sich-Arrangieren mit dem NS-Regime", der dessen Kulturfassade aufpolierte, oder der menschlich integre und dabei persönlich gefährdete Intendant, der mit seinem Theater einen Freiraum innerhalb des totalitären Staates schuf und bedrohte Kollegen schützte.

"Ich habe nur eines gewollt in meinem ganzen Leben: Schauspieler sein", sagte Gründgens in dem TV-Interview. Intendant habe er nie werden wollen und sei es auch nicht gerne gewesen. Neben seinen zahlreichen Bühnenrollen spielte er auch in Filmen wie Fritz Langs "M - Eine Stadt sucht einen Mörder" (1931), "Tanz auf dem Vulkan" von Hans Steinhoff (1938) oder "Der Schritt vom Wege" (1939).

Geboren wurde Gründgens am 22. Dezember 1899 in Düsseldorf, wo er auch die Schauspielschule besuchte. Erste Theatererfolge feierte er an den Hamburger Kammerspielen, wo er die Geschwister Klaus und Erika Mann kennenlernte - und Erika 1926 heiratete, obwohl seine Homosexualität kein Geheimnis war. Unmittelbar nach Kriegsende einige Monate interniert, übernahm Gründgens die Leitung der Bühnen in Düsseldorf und von 1955 bis 1962 das Deutsche Schauspielhaus in Hamburg.

Er war wohl "ein großartiger Künstler, aber kein einfacher Mensch", fasst Blubacher zusammen. Sein "wahres Ich" verbarg er so weit er konnte hinter den vielen Bühnenfiguren.