Wie war das bei anderen, die vier Jahre im Weißen Haus residiert hatten und sich in dieser Zeit nur selten kritischen Fragen ausgesetzt sahen. Tatsächlich scheint es Tradition zu haben, dass Präsidenten mit Problemen kämpfen, wenn ihnen plötzlich und nach langer Zeit zum ersten Mal ein Gegenüber auf gleicher Ebene in die Augen blicken darf. Und Barack Obama hat sich dazu noch in den letzten Jahren abgeschottet wie kaum ein anderer. Keiner seiner Vorgänger hielt beispielsweise so wenige Pressekonferenzen ab. Bob Woodward, der seit Jahrzehnten vielleicht beste Beobachter der Aktivitäten im Weißen Haus, hat in seinem neuesten Buch darauf hingewiesen, dass diese Flucht vor der Konfrontation, dieser Unwille Obamas, sich seinem Gegenüber zu stellen, erhebliche Auswirkungen auf die Politik gehabt haben könnte. Nicht allein die feindselige Haltung der oppositionellen Republikaner, sondern auch ein wenig kooperationsbereiter Präsident sei schuld an den Sackgassen, in die sich die US-Politik verirrt habe.

Die Auswirkungen des Obama-Desasters halten sich derzeit in Grenzen. Am Freitag gab es überraschend gute Zahlen vom Arbeitsmarkt. Mitt Romney wurde mit seinem kaum weniger überraschenden Schwenk in der Debatte zu eher moderaten Positionen auch nicht wesentlich glaubwürdiger. Es macht sich eher eine allgemeine Ernüchterung breit ob der zwei Spitzenpolitiker, von denen keiner Spitze zu sein scheint.

Jon Stuart, einer der großen Satirestars im US-Fernsehen versuchte der Angelegenheit wenigstens eine gute Seite abzugewinnen. Die beiden Jungs, die sich da ums Weiße Haus prügelten, sehen wenigstens einigermaßen akzeptabel aus - zumindest verglichen mit Angela Merkel, sagte er auf dem Nachrichtenkanal CNN an jenem Mittwoch. Der Tag war ja unser Nationalfeiertag. Wenn da unsere Bundeskanzlerin zum letzten Hoffnungsschimmer für ein verwirrtes Amerika wird, kann man sich freuen. Denn was Stuart ja indirekt unterstellte, war schmeichelhaft für Deutschland. Auch wenn es nicht wunderschön aussehen mag, aber aus Washingtoner Sicht wird in Berlin noch effektiv regiert.