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Der die Affäre Al-Bakr aussitzt

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Justizminister in Sachsen ist grundsätzlich eine machbare Aufgabe, heißt es unter denen, die es mal waren – wenn nicht gerade einer ausbricht. Der unerwartete Krisenfall ist für Sebastian Gemkow (CDU) kein Ausbruch, sondern ein Selbstmord. Christine Keilholz/ckz1

Seitdem der Terrorverdächtige Dschaber al-Bakr im Leipziger U-Haft-Gefängnis starb, gilt Gemkow als nicht mehr im Amt haltbar. Seitdem betont der Minister auf allen Kanälen, er wolle Verantwortung übernehmen für die Fehler der Gefängnisleitung - aber zurücktreten: Nein! "Das entspricht nicht meinem Amtsverständnis", sagt er.

Wer ist dieser Mann? Gemkow war die große Überraschung, als Sachsens Regierungschef Stanislaw Tillich (CDU) vor zwei Jahren sein neues Kabinett nach einer leidlichen Landtagswahl präsentierte. Den damals 36-jährigen und noch bartlosen Anwalt aus Leipzig hatte niemand auf dem Zettel. Man kannte ihn als höflichen, chorknabenhaft wohlerzogenen jungen Landtagsabgeordneten, der selten aus der Reihe trat. Kein umtriebiger Netzwerker, kein bissiger Polit-Terrier, einfach der nette Herr Gemkow.

Gemkows politische Sozialisation begann im Herbst 1989, als ihn sein Vater Hans-Eberhard Gemkow mit zu den Montagsdemonstrationen nahm. Sebastian Gemkow, Jahrgang 1978, erbte vom früh verstorbenen Vater ein stilles Pflichtbewusstsein. Er ging als Jura-Student zur CDU, übernahm früh einen Kreisverband und zog 2009 in den Dresdner Landtag ein. Als er 2014 unerwartet Minister wurde, hieß es auf den Landtagsfluren, er sei halt der Quoten-Leipziger, den Ministerpräsident Tillich noch brauchte. Denn so sicher die CDU in Sachsen im Sattel sitzt - in der quicklebendigen Messemetropole kriegt sie kein Bein auf den Boden. Leipzig ist seit jeher in der Hand der SPD.

Als Minister konnte Gemkow zuletzt einen ordentlichen Erfolg im Kampf gegen die Modedroge Crystal Meth verbuchen. Brüssel hat den Handel mit dem Crystal-Ausgangsstoff Chlorephedrin eingeschränkt. Gemkow hat noch viel vor, er denkt nicht an Rücktritt - obwohl die Schwere der Leipziger Versäumnisse politische Konsequenzen eigentlich unausweichlich machen. Tillich hat Gemkow den Rücken gestärkt.