Unter 56 kreisfreien kleinen und mittleren Großstädten rangiert Cottbus auf Platz 54. Potsdam schneidet auf Rang 36 deutlich besser ab. Dresden dagegen wird unter den 13 deutschen Großstädten hinter München Zweiter. Die vier Südbrandenburger Landkreise - Oberspreewald-Lausitz (79.), Elbe-Elster (76.), Spree-Neiße (75.) und Dahme-Spreewald (66.) - sind im letzten Drittel in ihrer Kategorie durchweg von Brandenburgern umringt. Bei den Kreisen im ländlichen Raum belegen Bautzen (40.) und Görlitz (42.) Mittelplätze - Schlusslicht ist die Uckermark (75.).

Im Kern geht das jüngste Bertelsmann-Ranking kaum über die Erkenntnisse des internationalen Leistungsvergleichs (Pisa) oder der internationalen Grundschul-Lese-Untersuchung (Iglu) hinaus. Wenngleich die Studie 38 statistische Kennzahlen aus den Regionen und Städten bewertet, muss sie die Ergebnisse von Pisa und Iglu - die nur für das jeweilige Bundesland erhoben werden - jeder Region zugrunde legen. Der Verdacht, dass die Länderergebnisse automatisch zu entsprechenden Resultaten in Landkreisen und Städten führen müssen, ist für den Sprecher des Potsdamer Bildungsministeriums Stephan Breiding nicht von der Hand zu weisen. "Hier werden statistische Daten, die wir kennen, recycelt. Wir haben schon unseren Zweifel, ob die Anhäufung von Quantität auch der Qualität vor Ort gerecht wird", betont Breiding gegenüber der RUNDSCHAU.

Ein Beispiel dafür ist die Kennzahl "Angebot an Studienplätzen in der Region". Hier landet Cottbus trotz Hochschule Lausitz und BTU Cottbus auf Rang 56 - auf dem letzten Platz unter den mittleren Großstädten. Potsdam dagegen ist - mit der Berliner Hochschullandschaft vor der Haustür - trotzdem nur 14. Für Breiding "geht eine solche Bewertung an der Realität vorbei". Dr. Miika Blinn von der Bertelsmann-Projektgruppe dagegen verteidigt das Ergebnis. "Wir haben das Studienplatzangebot im 70-Kilometer-Umkreis analysiert. Weil junge Leute oft nicht viel weiter weg von Zuhause studieren wollen. Und da haben vergleichbare Städte mehr zu bieten", erläutert Blinn. Eingeflossen sind in den Lernatlas beim "Sozialen Lernen" aber auch Statistiken über die Beteiligung an Wahlen, die Parteimitgliedschaft oder das Engagement der Bürger für Senioren, in der Feuerwehr und in der Kirche. Die Lausitzmetropole Cottbus steht übrigens in den Positionen "Junge Erwachsene mit höherem Schulabschluss" (Platz 3) und "Sportvereine in der Region" (6.) am besten da.

Über mathematische Formeln und eine Indexberechnung aus den 38 Kennziffern ist letztlich jener Deutsche Lernatlas entstanden, in den inzwischen Aussagen über die Lebensqualität in den jeweiligen Regionen hineininterpretiert wurden. Die Autoren der Studie haben dies allerdings nicht beabsichtigt, weil sie diesem Anspruch nicht gerecht werden können. Miika Blinn spricht vielmehr davon, "dass wir eine Diskussion über Lernbedingungen anstoßen wollten".

Ministeriumssprecher Stephan Breiding, der den breit angelegten Versuch der Lernanalyse in den Regionen für lobenswert hält, sieht aber auch die Grenzen eines solchen Rankings. "Für unseren schulischen Bereich gibt es keine neuen Erkenntnisse", betont er. Das Bildungsministerium wisse, wo noch Hausaufgaben zu machen sind. Dafür bedürfe es nicht der "verheerenden Botschaft" durch den Lernatlas.

www.deutscher-lernatlas.de

Zum Thema:

Die vier Dimensionen des LernensDie Bertelsmann Stiftung hat mit dem Deutschen Lernatlas ein Profil erarbeitet, das die Bedingungen für lebenslanges Lernen in Regionen und Städten illustriert. Die Werte resultieren aus Indexberechnungen mit 38 Kennziffern, die in den folgenden vier Lerndimensionen ausgewiesen werden: Schulisches Lernen: Die Lerndimension Schulisches Lernen gibt Hinweise auf die Lernentwicklung von Kindern und Jugendlichen in Schulen, das Studienplatzangebot und das Bildungsniveau von jungen Menschen und Erwerbstätigen in der ausgewählten Region. Berufliches Lernen: Hier werden Hinweise auf die Chancen von Jugendlichen gegeben, eine qualifizierende Ausbildung abzuschließen sowie auf den Stellenwert der beruflichen Weiterbildung und des Lernens am Arbeitsplatz in der ausgewählten Region. Soziales Lernen: Dieser vielseitige Aspekt des lebenslangen Lernens wird durch Kennzahlen zum sozialen Engagement, zur politischen Teilhabe und zum Stellenwert der sozialen Integration von Jugendlichen abgebildet. Persönliches Lernen: Welche Lernmöglichkeiten finden die Menschen in einer Region zur persönlichen Entwicklung und Entfaltung vor und wie nutzen sie diese - in Form von Kursen zur persönlichen Weiterbildung, beim Sport, im kulturellen und durch selbstgesteuertes Lernen mit Medien.