Nach dem neuerlichen Hickhack um die Eröffnung des Pannen-Airports BER in den vergangenen Tagen sind die Fragezeichen auch bei den Lausitzer Unternehmern nicht weniger geworden. Was wird aus dem Projekt? Wann springt der "Job-Motor BER" endlich an?

Rainer Bretschneider kennt die Verunsicherung. Aber er sagt auch: "Das Projekt sorgt naturgemäß für ein immenses Medieninteresse. Da wird aus mancher ,Mücke' leicht mal ein ,Elefant' gemacht. Mit Mehdorns Sprint-Programm aber sind wir auf dem richtigen Weg der Beschleunigung." Jetzt werde die Baustelle beräumt und mit der Abarbeitung der vielen Mängel begonnen. Von insgesamt 75 000 Fehlern war die Rede. Und weil eine solche Zahl natürlich jeden schockiert, erläutert Rainer Bretschneider: Es sei immer auch eine Frage der Betrachtung. "Ist eine nicht funktionierende Entrauchungsanlage ein einziger Mangel oder sind das 3000 Mängel, weil die insgesamt 3000 Klappen der Anlage nicht so arbeiten, wie sie sollen?"

Die wichtigste Frage aber, nämlich die nach der Eröffnung des Flughafens, beantwortete der Flughafenkoordinator auch am Donnerstag in Cottbus nicht mit einem konkreten Datum. Im Oktober werde der Aufsichtsrat entscheiden. Bis dahin gebe es Klarheit darüber, ob sich der von Flughafenchef Hartmut Mehdorn favorisierte Probebetrieb am Nord-Pier rechne oder nicht. Sieben bis neun Millionen Euro müssten nach Recherchen der RUNDSCHAU zusätzlich investiert werden, um die nördliche "Wartehalle" in ein funktionierendes Abfertigungs-Terminal zu verwandeln. Bretschneider bestätigte die Summen nicht, sagte aber: "Für einen dreimonatigen Probebetrieb rechnet sich die Investition nicht. Für acht oder neun Monate schon."

Der Flughafenkoordinator hält im Übrigen gar nichts von der medialen Schwarz-Weiß-Malerei entweder "Probebetrieb am Nord-Pier" oder "Teileröffnung am Hauptterminal". Klar, man könne die Möglichkeit nutzen, ein solch komplexes System wie einen Flughafen in einem abgegrenzten Bereich zu testen. Beides könne nebeneinander passieren. Trotz des Probebetriebes müssen die Arbeiten zur Fertigstellung des Hauptterminals mit Hochdruck weitergehen. Letztlich gehe es darum, das Gesamtprojekt so schnell wie möglich zum Laufen zu bringen.

Deshalb hält Bretschneider den immer wieder beschriebenen Streit zwischen den BER-Vorständen Hartmut Mehdorn und seinem Technikvorstand Horst Amann für irrelevant. Die beiden starken Männer hatten sich in den vergangenen Wochen mit Äußerungen und durchgesteckten Informationen immer wieder in einem Unterholz der Eitelkeiten und Rechthabereien verkämpft.

Gegenüber der RUNDSCHAU sprach Rainer Bretschneider gestern auch über die nach seiner Ansicht wichtigsten Ursachen für das Desaster rund um den BER.

Zum einen handle es sich beim Bau eines Großflughafens irgendwie immer ein Unikat . "Der letzte Flughafenbau dieser Größenordnung in Deutschland ist vor 30 Jahren in München realisiert worden." Zum Anderen habe es den öffentlichen Auftraggebern Berlin, Brandenburg und dem Bund an erfahrenem, eigenen ingenieurtechnischen Personal zur Umsetzung des Vorhabens gefehlt. "Sie mussten sich auf private Planer stützen, die so teuer wie möglich bauen wollten, um ihre Honorare in die Höhe zu treiben." In dieser Hinsicht hat Hartmut Mehdorn gerade ein Zeichen gesetzt. Mit Ministerialrat Norbert Potthast hat er sich einen erfahrenen Projektmanager für Großprojekte an die Seite geholt. Potthast hat in der Vergangenheit mehrere große Uni-Neubauprojekte in Brandenburg erfolgreich gemanagt.