Olav Praetsch (41) aus Wurzen bezieht dabei eindeutig Stellung: Der Chocolatier schwört auf die aphrodisierende Kraft von edlem Kakao und kostbaren Gewürzen.
1,90 Meter groß, 100 Kilogramm schwer, Rauschebart: Der Mann vom Typ Seebär sieht eher aus, als wenn er täglich hart zupackt. Hatte er bisher auch. Als Bäcker- und Konditormeister stand er ein Vierteljahrhundert ab drei Uhr morgens in der Backstube und schuftete. Und während er Brot und Brötchen am laufenden Band herstellte, sehnte er sich danach, seine Schokoladenseite auszuleben, auszuarbeiten. "Je älter ich wurde, um so mehr verstärkte sich dieses Gefühl", sinniert er. So gab er nach genau 150 Jahren die von seinem Ururgroßvater 1852 gründete traditionsreiche Bäckerei und Konditorei in Wurzen auf.
Anstelle des gewöhnlichen Mehls verarbeitet Olav Praetsch nun Schokolade aus besten Kakaobohnen, die beispielsweise in Venezuela, Madagaskar oder Papua-Neuguinea reiften. Seitdem kreiert er mit und aus ihnen kostbare Schokoladen und Pralinen. Nicht auf Vorrat, sondern stets frisch nur auf Bestellung. Dabei hat er immer im Blick, dass Schokolade glücklich macht und in Kombination mit aphrodisierenden Gewürzen, wie Kola- und Muskatnuss oder Chili, das Liebesleben positiv beeinflussen kann. In Zartbitterschokolade gegossene erotische Anleitungen hält er als Appetitanreger gleich mit bereit: Acht Motive aus dem weltberühmten Kamasutra.
Inzwischen ist der Wurzener deutschlandweit ein bekannter Chocolatier. Im legendären Berliner Luxushotel "Adlon" durfte er bereits wochenlang seine Künste unter Beweis stellen. Die aus neun Bällen bestehende Pralinenkreation zum 2006 wiederbelebten Dresdner Opernball wurden ebenfalls in seiner Chocolaterie hergestellt. Im Augenblick entwickelt er für "Auerbachs Keller" einen Faust-Schokoladentaler. Aber nicht nur für berühmte Häuser ist Olav Praetsch unterwegs. Man kann den Schokoladen-Mann auch mieten. "Ich bin zur Stelle, wenn man Lust verspürt, beispielsweise Holunderblüten- oder Rosenwasserpralinen daheim in der eigenen Küche zu fertigen", erzählt er. Beliebt sind auch seine Erdbeer-"Bezüge". "Ich beträufle Erdbeeren mit Chilischokolade und bestreue sie mit Meersalz und einem Hauch Vanillemark&ldq uo;, beschreibt er den Gaumenschmaus. Ganz in Alfred-Biolek-Manier hat Olav Praetsch dabei stets Anekdoten, Histörchen und Legenden rund um die braune und weiße Schokolade parat.
Übrigens, Partnerin Ina ist mittlerweile nicht nur ihrem Olav, sondern auch seinen süßen Verführungen erlegen. Er weihte sie ein in die geheimnisvolle Welt der Chocolaterie, in der sie nun täglich mitarbeitet.
Internet: www.praetsch.de