Nicht nur der Bundespräsident selbst wäre vermutlich froh gewesen, wenn sich diese Geschichte um ein privates Darlehen zur Finanzierung des Eigenheims in Großburgwedel allmählich verflüchtigt hätte. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wäre erleichtert, hatte sie doch noch am Donnerstag ihre Wertschätzung für Christian Wulff zum Ausdruck gebracht. Aber keine 24 Stunden später war es vorbei mit dem vorweihnachtlichen Frieden – und ganz überraschend war es nun auch wieder nicht, dass der „Spiegel“ noch etwas im Köcher hatte. Auch Christian Wulff und sein Präsidialamt haben davon vermutlich gewusst. Seit 2009 hatte auch das Hamburger Magazin in Sachen 500 000-Euro-Kredit recherchiert und vor diversen Gerichten Akteneinsicht verlangt. Am 17. August 2011 stimmte der Bundesgerichtshof letztinstanzlich diesem Begehren zu.

Zur Erinnerung: In erster Linie ist nicht das Darlehen als solches umstritten, sondern die Tatsache, dass Wulff Geschäftsbeziehungen zu dem Unternehmer Egon Geerkens verneint hatte. Das Darlehen erwähnte er als Ministerpräsident vor dem niedersächsischen Landtag nicht, als er dort 2010 nach seinen Geschäftsbeziehungen zu dem Unternehmer Egon Geerkens gefragt wurde – weil der Kredit von Frau Geerkens, und nicht von dem befreundeten Geschäftsmann selbst gestammt habe. Nun also berichtet der „Spiegel“, dass der umstrittene Kredit möglicherweise doch von Wulffs Unternehmerfreund direkt stammte.

Am Donnerstag hatte Wulff selbst bekannt gegeben, dass die Kanzlei Redeker Sellner Dahs für alle Interessierten Einsicht in die Darlehensunterlagen organisieren wird. Noch am Freitag veröffentlichte die Kanzlei eine Stellungnahme „im Auftrag von Christian Wulff“. Demnach habe die Sparkasse Osnabrück bestätigt, dass der Scheck über 500 000 Euro aus dem Konto von Edith Geerkens gedeckt wurde. Auch der Vertrag über das Privatdarlehen sei von Frau Geerkens geschlossen worden, und auch die Rückzahlung sei auf ihr Konto erfolgt.

Klar erkennbar ist der Versuch Wulffs, den Wirbel um seinen Privatkredit künftig als Privatsache zu behandeln. Auskunft gibt nicht mehr das Bundespräsidialamt und sein Sprecher Olaf Glaeseker, sondern die Anwaltskanzlei.