Knabbern bis zum Umfallen. Wo ein Biber arbeitet, fallen Späne. "Er ist als Landschaftsarchitekt tätig, aber manchmal schießt er über das Ziel hinaus und ärgert den Menschen", sagt Jan Stegner, "Bibermanager" im Institut für Vegetationskunde und Landschaftsökologie in Leipzig. Während die Umstehenden lächeln, bleibt die Miene von Karsten Ittner, Chef der Agrargenossenschaft Heideglück in Sprotta (Landkreis Nordsachsen), eher finster. Denn die von Bibern errichteten Staudämme haben in der Dübener Heide schon oft Ackerflächen unter Wasser gesetzt und Bauern die Arbeit erschwert.

Stegner und Ittner stehen mit Sachsens Umweltminister Frank Kupfer (CDU) und gut zwei Dutzend Leuten in der Wöllnauer Senke und berichten vom Naturschutzprojekt Presseler Heidewald und Moorgebiet. Dort gibt es seltene Pflanzen wie den Sonnentau und tierische Schönheiten wie den Kranich. Ein Paradies für 169 Vogelarten, und mit etwas Glück kann man an sonnigen Tagen sogar Schlingnattern beobachten. Unter dem Slogan "Chance.Natur" ist auch Geld des Bundes in die Dübener Heide geflossen, um Moore vor dem Austrocknen zu retten und die Natur für ihre eigentlichen Bewohner zu schützen. Dazu zählt auch der Elbebiber, der sich trotz oder gerade wegen der aus Dresden angereisten Gäste an diesem Tag partout nicht zeigen will. Dafür sind seine Spuren im Gehölz sichtbar. Naturschützer und Landwirte haben sich arrangieren müssen. Stegner nennt den Biber eine sächsische "Erfolgsart". Die Population habe sich gut erholt. "Gemeinsam mit Sachsen-Anhalt und Brandenburg haben wir für den Elbebiber eine gesamteuropäische Verantwortung." Jetzt werden für den Nager dort eigens Weiden und Pappeln angepflanzt, damit er gut zu Knabbern hat und nicht weiterzieht.

Ausgerechnet die Landwirtschaft mit ihrem Bewässerungssystem hat dem Elbebiber die Ausbreitung in der Dübener Heide erleichtert. "Wir haben ihm quasi die Autobahnen gebaut", so Stegner. Erst das menschliche Tun habe den Biber bewogen, sein Hauptgewässer Elbe zu verlassen und sich in der Agrarlandschaft anzusiedeln. Deshalb ist nun friedliche Koexistenz angesagt. Eine Alternative dazu gibt es ohnehin nicht. Nationale und europäische Rechtsvorschriften stellen ihn unter strengem Schutz. Mit gezielter "Ablenkfütterung" soll nun verhindert werden, dass er Appetit an anderen Nutzhölzern findet.

Der Schutz für den Biber war bitter nötig. In weiten Teilen Sachsens galt er Ende des 19. Jahrhunderts als ausgerottet. Biber wurden nicht nur wegen ihres Fells gejagt. Ihr Leben im Wasser ließ sie in den Augen der Menschen zum Fisch und damit zur Fastenspeise werden. Außerdem wurde ein Drüsensekret als Arznei genutzt. Erst mit dem völligen Jagdverbot hatte der Biber ab 1945 wieder eine Chance.

1972 zählte man in Sachsen etwa 80 Elbebiber in 22 Revieren. 2007 brachte eine Bestandsaufnahme den fruchtbaren Beleg der Bemühungen - damals wurden 950 Biber in etwa 270 Revieren registriert. Heute steht der Biber auf der Weißen Liste für erfolgreiche Beispiele im Artenschutz. Dank gebührt vor allem jenen Tierfreunden, die als Biberbetreuer im Einsatz sind.