Das erste Schwindelgefühl setzt schon im Fahrstuhl ein. Normalerweise bringt er die Fernsehturm-Besucher in 40 Sekunden auf 203 Meter. Doch heute stürmt es draußen.

„Bei starkem Wind senkt das Sicherheitssystem die Geschwindigkeit automatisch etwas herab, damit auch nichts wackelt“, erklärt der Fahrstuhlführer den etwas verwundert dreinblickenden Besuchern. So haben sie  ein paar Sekunden mehr, um durch das Glasdach in den 225,5 Meter hohen Schacht zu schauen. Spätestens beim Betreten des Turmrestaurants „Sphere“, das sich über einen auf 120 Rollen gelagerten Außenring in 30 Minuten einmal um die Turmachse dreht, fühlen sie sich wie beschwipst.

Leuchtende Nummernanzeigen an den Tischen sorgen dafür, dass man auch nach dem Toilettengang seinen Platz wiederfindet. Bei guter Sicht kann man von hier oben 80 Kilometer über die pulsierende Metropole bis ins Umland schauen, dabei Soljanka oder Roastbeef mit Waldorfsalat essen, aber auch heiraten oder Silvester feiern.

Am Donnerstag feiert das weltbekannte Berliner Wahrzeichen, das jährlich bis zu 1,3 Millionen Gäste zählt, sich selbst. Vor 50 Jahren, am 3. Oktober, wurde der Fernsehturm am Alexanderplatz eingeweiht. Der Grund für den Bau war eigentlich gar nicht so spektakulär wie die Aussicht.

Bei der Rundfunkkonferenz in Stockholm, die für die Koordinierung der Frequenzwellen in Europa zuständig war, wurden der DDR 1952 nur zwei Fernsehfrequenzbereiche zugebilligt. Für eine vollständige Abdeckung des Ost-Berliner Stadtgebietes wurde ein leistungsstarker Großsender mit höchstmöglichem Standort gebraucht. Ein zunächst geplanter Antennen-Bau auf den Müggelbergen am Stadtrand wurde wieder verworfen, weil er in die Einflugschneise des Flughafens Schönefeld geragt hätte.

Zehn Jahre dauerten die Planungen, 53 Monate der teure Bau, der 200 Millionen DDR-Mark kostete.  „Eine technische Meisterleistung“, findet Thomas Billhardt, der damals als Fotograf die Bauarbeiten dokumentierte.

Seine Bilder vom in die Höhe wachsenden Stumpf zieren nun zum Jubiläum das abgerundete Foyer des Sockels. Auf einem der Fotografien aus dem Jahr 1967 ist Billhardt selbst zu sehen, wie er auf der halbfertigen Kugel auf einer nur durch ein Seil gesicherten Plattform steht. „Wenn ich das sehe, muss ich selber staunen. Ich hatte Höhenangst. Damals habe ich mir angewöhnt, zur Beruhigung immer einen Flachmann in der Fototasche zu haben“, erinnert sich der Fotograf.

Als Ehrengast darf der 82-Jährige aus Klein Machnow in Brandenburg auch 50 Jahre später noch einmal Sphären des Baudenkmals erklimmen, in die Besucher nicht vordringen dürfen. Im Fahrstuhl hinter einer Abdeckplatte befindet sich der Schalter für Etage 223.

Hier über der Kugel ist der Umlauf schon viel enger. In einem Raum stehen 186 Löschgas-Flaschen bereit. Sie sollen die Technik im Brandfall schützen. Im Restaurant mit kleiner Küche ohne Herd, in das das Essen per Fahrstuhl geliefert werden muss, gibt es dagegen Nebelsprühanlagen.

Über eine enge, hellgrüne Eisentreppe geht es noch einmal 100 Stufen höher auf die Außenplattform in 250 Metern. Durch eine Metallluke, die wie eine Flugzeugtür unter Luftdruck wirkt, hört man draußen den Sturm toben. Nachdem sie Technikchef Torsten Brinkmann kurz öffnet, ist klar: Heute ist kein Tag, um auf die mit Antennen für Polizeifunk und UMTS bestückte Plattform zu steigen. „Da würde ihnen alles um die Ohren fliegen.“

Den Schacht zum Endpunkt in 368 Metern Höhe dürfen nur ausgebildete Sportkletterer erklimmen, die sich gegenseitig mit Bergsteigerausrüstungen absichern. Die Rundfunk- und Fernsehantennen an der Spitze müssen für Wartung einmal Jahr um vier Uhr nachts kurz abgeschaltet werden. „Sonst würden die Techniker Kopfschmerzen bekommen“, erklärt Brinkmann.

200 Antennen sind auf dem höchsten Bauwerk angebracht. Der Berliner Rundfunk hat schon in der geschlossenen Aussichtsetage mit Sky-Bar sein mobiles Studio aufgebaut, aus dem am 3. Oktober die Geburtstagssendung moderiert werden soll. Für Gäste, die mit dem Normalticket für 14 Euro die Touristenattraktion im Herzen Berlins besuchen, soll es dann Sekt und Gratiskuchen geben, solange der Vorrat reicht.