Murphys Gesetz, wonach alles das schiefgeht, was nur schiefgehen kann, entfaltet am Pannenflughafen in Schönefeld auch weiter seine komplette Wirkung. Es gibt zwei Schlüsselfirmen, die für die Fertigstellung des Airports inzwischen von substanzieller Bedeutung sind. Das ist neben Siemens der niederländische Gebäudeausrüster Imtech. Dessen deutsche Tochter hat sich in den zurückliegenden Jahren am BER unentbehrlich gemacht. Obwohl inzwischen als sicher gilt, dass die Firma BER-Mitarbeiter bestochen hat, konnte Imtech nicht von der Baustelle gejagt werden, weil es dazu keine Alternative gibt.

Die Firma war erst kürzlich erneut in die Schlagzeilen geraten. Dabei wurde der Vorwurf erhoben, dass das Unternehmen auch viel Geld mit systematischem Baustillstand verdiene.

Aufsichtsräte und Geschäftsführung kennen die Misere um Imtech seit Langem. Doch sie haben die Augen ganz fest zugedrückt und gehofft, dass es trotzdem gut geht und es noch etwas wird mit der Fertigstellung des Hauptstadtflughafens im Jahr 2017. Die Aussicht ist jetzt schlechter als je zuvor.

Trotzdem soll sich nach dem Insolvenzantrag der deutschen Imtech-Tochter das Projekt nicht weiter verzögern. Das Unternehmen Imtech Deutschland wolle die Arbeiten im neuen Terminal wie geplant fortsetzen, teilte der vorläufige Insolvenzverwalter, Peter-Alexander Borchardt, am Montag in Hamburg mit.

Imtech-Insolvenzverwalter Borchardt erklärte jetzt, die Mitarbeiter sämtlicher Gewerke sowie die Subunternehmer hätten zugesagt, "den Flughafenbau bis auf Weiteres unverändert fortzuführen". Ziel des vorläufigen Insolvenzverfahrens sei nun, den Geschäftsbetrieb von Imtech Deutschland weiterzuführen, die aktuellen Projekte auf ihre Fortführungsmöglichkeit zu überprüfen und damit möglichst viele der rund 4000 Arbeitsplätze zu erhalten.

Davon unabhängig will die Landesregierung in Brandenburg mit einer Gesetzesänderung verhindern, dass die Baugenehmigung für das zentrale Abfertigungsgebäude im kommenden Jahr ausläuft.

Für Großprojekte in Brandenburg sollen Baugenehmigungen künftig unbegrenzt gültig sein. Diese Änderung beabsichtigt die Landesregierung, um die Fertigstellung des BER zu retten. Dafür solle bei der anstehenden Neufassung der Landesbauordnung ein entsprechender Passus eingefügt werden, bestätigte Steffen Streu, Sprecher des Infrastrukturministeriums, am Montag.

"Es ergibt keinen Sinn, wegen der begrenzten Gültigkeit von Baugenehmigungen das Projekt BER an die Wand fahren zu lassen", sagte Streu. Die Neufassung der Landesbauordnung sei in der Abstimmung unter den beteiligten Ministerien, sagte Streu. "Wir gehen davon aus, dass die Novellierung bis Ende des Jahres abgeschlossen werden kann."

Der BER sollte eigentlich im Oktober 2011 an den Start gehen. Zuletzt wurde die zweite Jahreshälfte 2017 angepeilt. Das wird immer unwahrscheinlicher.

Nach der Imtech-Pleite hatte Flughafenchef Karsten Mühlenfeld eine aus Baufachleuten und Juristen bestehende Expertengruppe eingesetzt, um die Folgen für den Flughafenbau einschätzen zu lassen.

Für zusätzliche Turbulenzen sorgten am Montag Nachrichten, wonach inzwischen auch die niederländische Mutterfirma Royal Imtech finanziell auf wackeligen Füßen steht. Der Gang der deutschen Tochter in die Insolvenz macht die holländische Imtech-Aktie zum "Cent-Artikel". Seit Bekanntwerden der Insolvenz war der Kurs einer Aktie von 2,50 Euro auf 0,74 Euro eingebrochen.