"Ich habe ein gutes Gefühl." Wenn der Technikchef des Pannenflughafens BER Jörg Marks einen solchen Satz sagt, ist man geneigt, ihm zu glauben. Wären da nicht seine Vorgänger, die Amanns und Großmanns beispielsweise, die solche Sätze auch von sich gaben. Doch nach ihrem Abgang schien es immer, als wäre das Chaos immer noch größer.

Jörg Marks hatte sich am Mittwoch vier Stunden Zeit genommen, um einer zahlreich erschienenen Medienschar die Knackpunkte auf der berühmtesten Flughafenbaustelle der Welt zu zeigen. Marks setzt auf Offenheit. "Wir wollen nichts verheimlichen", sagt der 1,95-Meter-Mann.

Die zwei großen Herausforderungen, die er in den kommenden zwei Jahren meistern muss, sind die Verkabelung und die tückische Entrauchung des Airportkomplexes. Was er vor nicht einmal einem Jahr vorgefunden hat, hätte dem einstigen Siemens-Manager den Schlaf rauben müssen. Die aufgelaufenen Probleme am BER sind derart ineinandergreifend, dass es nicht reichte, eine gute Idee zu haben. Marks und sein Team brauchen jeden Tag neue Ideen.

Um nicht zu verzweifeln, hat er die Monsterbaustelle aufgeteilt. Allein das 360 000 Quadratmeter große Fluggastterminal wurde in 29 einzelne Baufelder aufgeteilt. Sie werden jetzt Schritt für Schritt fertiggestellt.

Und tatsächlich ist derzeit wieder Bewegung auf der Flughafenbaustelle. Da begegnet man Elektrikern mit unverkennbar sächsischem Dialekt, die sich als Strippenzieher betätigen. In engen Kabelschächten tief unter der Deckenverkleidung versuchen sie zu ordnen, was vormalige "Experten", oft in scheinbarer Verzweiflung, in die viel zu engen Kabelklemmen gezwängt hatten.

"Eines der größten Probleme war die kleinteilige Vergabe der Aufträge", erklärt Jörg Marks. Zahlreiche kleine Firmen hätten da vor sich hingewerkelt, ohne dass ein Generalauftragnehmer den Überblick gehabt habe. Jeder wollte das Beste. Herausgekommen ist ein Chaos, das jetzt teuer beseitigt werden muss.

Die kleinteiligen Vergaben waren gewollt. Mit ihnen sollten europaweite Ausschreibungen vermieden und regionale Auftragnehmer bevorzugt werden. Aber gut gemeint war in diesem Falle keineswegs gut gemacht.

Jörg Marks ist überzeugt, dass er sein Ziel schafft. Im Frühjahr 2016 soll der Bau fertig und bereit für die umfangreichen technischen Abnahmen sein. Die werden sich dann noch über ein Jahr hinziehen. "Wir haben jetzt erst einmal die technische Seite der Entrauchungsanlage eingebaut. Auf dieser Grundlage sollen die Computerprogramme geschrieben werden, die die Anlage steuern und auf 29 unterschiedliche Brandereignisse auf spezielle Weise reagieren." Marks und sein Team haben die monströse Ent-rauchungsanlage des Hauptterminals in drei Teile gesplittet und werden bald 24 Lüftungsklappen ins BER-Dach schneiden.

Die BER-Architekten und Planer hatten einst versucht, die welt-genialste Entlüftungsanlage überhaupt zu bauen und dabei die Gesetze der Physik auszuhebeln. Damit soll Schluss sein. "Der Eröffnungstermin steht: Herbst 2017", gibt sich Jörg Marks optimistisch. Man ist geneigt, ihm zu glauben, wären da nicht . . .