Burkhard Schöps zwischen Karriere und Intrigenabwehr.Sein Wahlkreisbüro liegt mitten in Sachsendorf, ringsum leerstehende Plattenbauten - Burkhard Schöps hat die Probleme der Lausitz tagtäglich vor Augen. Viel helfen kann er, auch als Mitglied er Regierungskoalition, bei solch grundlegenden Fragen wie Wohnungsleerstand, Abwanderung, Arbeitslosigkeit nicht. „Selbst wenn ich ein paar Millionen Euro für Sachsendorf mobilisiere - damit lassen sich einige Fassaden sanieren, mehr nicht.“ Und so müht sich der CDU-Mann, Strukturen zu schaffen, die das Leben in der Region erleichtern. Wirbt für sinnvolle Zusammenarbeit zwischen Stadt und Landkreis, hofft auf die Verträge zur Fusion von Berlin und Brandenburg, die der Lausitz einige Vorteile sichern könnten. In der Landespolitik hat er sich damit einen Namen gemacht, ist in CDU-Kreisen unumstritten.

Parteikollegen rümpfen die Nase
Doch hier, vor Ort, da rümpfen bestimmte Christdemokraten die Nase, wenn der Name Schöps genannt wird. Angegriffen wird er, seit er lautstark gegen Filz und Seilschaften in seinem Kreisverband gewettert hat. Intrigiert wird seitdem gegen ihn, er soll sogar (für die Stasi) RAF-Terroristen zu Kampfschwimmern ausgebildet haben. Schöps belustigt: Die RAF-Terroristen waren neun bis elf Jahre alt und ehrgeizige Nachwuchssportler im Trainingszentrum Schwimmen in Cottbus.
Auf öffentliche Anwürfe reagiert Schöps wahlweise wütend, amüsiert oder gelangweilt. „Als Politiker muss man sich eine dicke Haut zulegen“ , sagt er achselzuckend. Die dicke Haut hat er und wohl auch das Geschick, mit gleicher Münze heimzuzahlen. Bis jetzt jedenfalls ist er die parteiinterne Karriereleiter stets langsam, aber stetig nach oben geklettert.
Aufgewachsen ist er als Sohn einer allein erziehenden Mutter. „In ganz bescheidenen Verhältnissen, sie war eine kleine Reichsbahnmitarbeiterin“ , erzählt er. „Aber heute denke ich, dass ich von dieser Zeit profitiert habe.“ Als Junge, der früh das Verzichten lernen musste, hat er das wohl noch anders gesehen. Sportlich erfolgreich war er, doch die Mutter wollte ihn nicht auf die Sportschule lassen: „Da musst du bei den Kommunisten mitmachen, das kommt nicht in Frage.“
So blieb Schöps engagierter Hobbysportler, lief Ski und Marathonstrecken. Machte Abitur, wurde Diplomingenieur und fing in Cottbus bei der Reichsbahn an. Bis ins Büro des Vizechefs arbeitete er sich hinauf, dann war Schluss: „Irgendwann hat mein Chef erkennen lassen: Du musst dir was anderes suchen, ohne Parteibuch geht es hier nicht weiter.“

Doktor in spe
Schöps ging zur Uni zurück, arbeitete als Assistent und wollte seinen Doktor machen. Doch dann kam die Wende. Der bis dato Parteilose stürzte sich „mit großem Ehrgeiz“ in die Politik. Er, als Kirchenmitglied, entschied sich für die CDU. Warum?
Er sucht nach Worten: „Von den Roten enttäuscht, wollte ich jetzt einfach zu den Schwarzen.“ Bürgerliche Werte findet er dort vertreten, den Gedanken an Eigeninitiative, an Leistungsbereitschaft und die positive Motivation, die Besitz mit sich bringt. Nein, ein ungebrochenes Kind des Ostens ist er nicht. Hörte in Jugendjahren statt Walter Ulbricht lieber Willy Brandt im Westradio, wurde geprägt nicht nur durch seine im Osten lebende Mutter, sondern auch durch seine Verwandtschaft in Westberlin. Heimatvertriebene, die alles verloren hatten, und im Osten wie im Westen neu anfangen mussten.
„Die Vereinigung habe ich wirklich als Chance begriffen, als etwas, für das ich dankbar bin bis heute. Und so sehe ich mich: Als Mensch aus dem Osten, dem das Denken aus dem Westen vertraut ist. Beides zusammen hat sich bei mir zu etwas Neuem verbunden.“

Gute und schlechte Zeiten
Als CDU-Dezernent und Beigeordneter war er Anfang der Neunziger zuständig für die Cottbuser Stadtwirtschaft. „Mit den alten Stadträten habe ich nicht weitergemacht damals“ , sagt er. „Wollte die neue Zeit reinbringen in die Verwaltung.“ Sagt auch, dass nicht jede Personalentscheidung damals richtig gewesen sei. „Aber bei der Abfallwirtschaft und dem Umweltschutz, da kann sich die Stadt bis heute sehen lassen. Und den Grundstein dafür hat mein Team gelegt.“
Stolz ist er auf das Erreichte aus jenen Tagen, noch stolzer auf sein größtes Projekt, die Bundesgartenschau. „Wir haben damals in zweieinhalb Jahren etwas auf die Beine gestellt, wofür andere Städte fünf, sechs oder gar zehn Jahre gebraucht haben.“ Ein Zeichen für die Stadt habe er setzen wollen „in den grauen Nachwendejahren“ . Visionen umsetzen, Stärke zeigen, Investoren anlocken. Damals, als es auch in der Lausitz noch nach Aufbruch roch, nicht so utopisch, wie es heute klingt. Schöps hatte Erfolg. Wurde immer wieder als Gegenspieler und potenzieller Nachfolger von OB Kleinschmidt genannt, bemühte sich um ein Landtagsmandat - zunächst vergeblich.

Experte für blühende Landschaft
Die Buga ließ ihn nicht los: „Abwickeln musste ich die Gesellschaft, Leute entlassen, Finanzen prüfen. Keine schöne Zeit: Zweieinhalb Jahre dauerte der Aufbau, fünf Jahre die Kontrolle, ob wir auch alles richtig gemacht hatten.“ Nebenbei machte Schöps sich selbstständig, beriet Gartenausstellungen in ganz Europa. „Das war schon ein tolles Gefühl, dass mein Wissen aus dem Osten im Westen gefragt war.“ 1999 ging es dann auch politisch wieder bergauf: Schöps zog in den Landtag ein, wurde Medienpolitischer und Sportpolitischer Sprecher der Fraktion, wird jetzt in den Rundfunkrat des neugegründeten RBB berufen. Die Fusion von SFB und ORB hat er, wie er sagt, „maßgeblich mitgestaltet“ . Scharfe Töne schlug er an, als es darum ging, aus dem „Rotfunk“ einen „überparteilichen Sender“ zu machen.
Ein Vorgehen, dass Schöps und der Union harsche Vorwürfe eintrug: ORB-Rundfunkratsvorsitzende Bertram Althausen und Intendant Rosenbauer nannten die Einflussnahme „unerträglich“ .
Schöps selbst fechten solche Auseinandersetzungen nicht an. Beharrlich beackert er seine Politikfelder - und bastelt an seiner Karriere. „Ich bin sicher ein guter Abgeordneter und werde auch bei der nächsten Wahl noch mal antreten. Aber es gibt Bereiche, wo ich vielleicht noch besser wirken kann.“ Ambitionen auf ein Ministeramt werden ihm nachgesagt, er selbst spricht vom „Leiten einer Struktureinheit“ .
Geduldig wird er an diesem Ziel arbeiten, weiter stöhnen über lästiges Übergewicht und den Zeitmangel, der ihn vom Sport abhält und vom intensiven Zusammensein mit seiner Familie. Ändern, und da zeigt sich dann wieder seine Lausitzer Sturheit, ändern wird er seine Lebenspläne deshalb nicht.

biografie Mit Geduld ans Ziel
Burkhard Schöps wurde am 8. Juli 1955 In Brandenburg / Havel geboren.
Abitur und Facharbeiterausbildung in Potsdam, anschließend Hochschulstudium an der Bauhochschule Cottbus (Dipl. Ing. Bauwesen).
1981 bis 1986 Arbeit als Bauingenieur bei der Deutschen Reichsbahn, zuletzt als Referent des Vizepräsidenten für Bahnanlagen.
1998 bis 1990 Wissenschaftlicher Assistent an der Bauhochschule Cottbus.
1990 bis 1994 Dezernent und Beigeordneter für Umwelt und Stadtwirtschaft in Cottbus,
1994 bis 2000 Geschäftsführer der Bundesgartenschau Cottbus.
Zu DDR-Zeiten nebenberuflich tätig als Englischlehrer und Übungsleiter Schwimmen, später Aufsichtsratsvorsitzender mehrerer Aufsichtsräte.
Ab 1999 Mitglied des Landtages für die CDU. Medien- und Sportpolitischer Sprecher der Fraktion. Vorsitzender der Mittelstandsvereinigung der CDU Cottbus, rund zehn Jahre Landesvorsitzender der Brandenburgischen Sportjugend, heute Präsidiumsmitglied Landessportbund und 1. Vorsitzender des Tennisclus Cottbus.
künftig Mitglied des Rundfunkrates RBB.
Burkhard Schöps wohnt mit Lebensgefährtin und Tochter in Cottbus.