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| 02:49 Uhr

"Der Anfang vom Ende": Blutigster Anschlag der Eta vor 25 Jahren

Madrid. Der Anschlag der Eta auf ein Kaufhaus in Barcelona vor 25 Jahren war der blutigste in der Geschichte der Organisation. Der Tod von 21 Menschen markierte in Spanien einen Wendepunkt im Kampf gegen den Terror der baskischen Separatisten. Hubert Kahl

Vor der Explosion der Autobombe in Barcelona gaben die Terroristen drei Warnungen ab. Von einer Telefonzelle aus rief vor 25 Jahren einer von ihnen bei der Polizei, bei einer Zeitung und beim Kaufhaus Hipercor an. Im Namen der Terror-Organisation Eta kündigte er an, dass in dem Warenhaus in Kürze ein Sprengsatz detonieren werde.

Die Polizei suchte das Einkaufszentrum nach einer Bombe ab, fand aber nichts Verdächtiges und verzichtete auf eine Räumung. Gut eine halbe Stunde später explodierte der Sprengsatz im Kofferraum eines Autos, das die Terroristen in der Tiefgarage abgestellt hatten. 21 Menschen wurden getötet und 45 zum Teil schwer verletzt. Der Anschlag am 19. Juni 1987 war nicht nur der blutigste in der Geschichte der baskischen Separatistenorganisation, er bedeutete auch eine neue Qualität des Terrors. Bis dahin hatten die Attentate der Eta sich hauptsächlich gegen spanische Militärs oder Polizisten gerichtet.

In Barcelona hingegen waren ausschließlich Zivilisten die Opfer, darunter auch vier Kinder. Die Explosion hatte einen Krater von fünf Metern Durchmesser in den Boden des Erdgeschosses gerissen, durch den ein gewaltiger Feuerball in das Kaufhaus emporschnellte. Die jüngsten Opfer waren ein neunjähriger Junge und seine zwölf Jahre alte Schwester, die mit einer Tante einen Badeanzug für das Mädchen kaufen wollten. Zwei Mädchen im Alter von 13 und 15 Jahren starben mit ihrer Mutter.

Die drei Terroristen vom "Kommando Barcelona" der Eta wurden später gefasst und - ebenso wie der damalige Eta-Chef - zu mehr als je 790 Jahren verurteilt. Davon müssen sie nach spanischem Recht 30 Jahre verbüßen. Rafael Caride Simón, der damals als der "Ideologe" der Terrorzelle gegolten hatte und an dem Anschlag beteiligt gewesen war, sagte sich vor mehreren Jahren von der Eta los.

In der vorigen Woche besuchte ihn einer der Überlebenden des Attentats im Gefängnis. Roberto Manrique hatte damals in der Fleischabteilung des Kaufhauses gearbeitet und war bei der Explosion verletzt worden. "Caride hat sich nicht ausdrücklich entschuldigt, aber ich glaube, dass er die Tat aufrichtig bereut", berichtete Manrique nach dem zweistündigen Treffen.

Der Anschlag markierte in Spanien einen Wendepunkt im Kampf gegen den Terror der Eta Die Separatisten hatten damals in der baskischen Bevölkerung viele Sympathisanten gehabt. Denn die Eta hatte gegen die Franco-Diktatur (1939-1975) gekämpft, und die Polizei war in der Bevölkerung unbeliebt, weil sie gegen die Terroristen auch mit illegalen Mitteln vorging. Die Empörung über den Anschlag vor 25 Jahren sollte jedoch weit reichende Folgen haben: Die demokratischen Parteien schlossen sich zu einem Anti-Terror-Pakt zusammen, die Eta-Sympathisanten gerieten mit der später verbotenen Separatistenpartei Batasuna (Einheit) in die Isolation. "Das Hipercor-Attentat war der Anfang vom Ende der Eta", schreibt die Zeitung "El País". Im Oktober 2011 erklärte die Organisation einen definitiven Gewaltverzicht.