"Klare Worte" heißt der 238 Seiten lange, durchaus kurzweilig zu lesende Interviewband. Man erlebt einen Altkanzler, der ungebrochen stolz auf sich ist, vor allem auf seine Reformpolitik Agenda 2010.

Wie sehr ihn dieser Teil seiner siebenjährigen Regierungszeit beschäftigt, merkt man, als er die kritische Frage des Moderators, ob die damalige Liberalisierung der Finanzmärkte ebenfalls richtig gewesen sei, völlig missversteht und antwortet, auf dem Arbeitsmarkt habe man nun einmal "die Philosophie des Förderns und Forderns" durchsetzen müssen. Der Streit um Hartz IV also lebt in ihm. Und auch die Auseinandersetzung mit Oskar Lafontaine. Der sei, lobt Schröder, einer der begabtesten Politiker gewesen, die er je kennengelernt habe. Man ahnt, dass diesem Satz gleich ein "Aber" folgen muss: Allerdings wolle Lafontaine immer von seiner eigenen Klientel geliebt werden. Wer dem Interesse seines Landes dienen wolle, müsse aber auch mal bereit sein, dagegen zu verstoßen.

Der Mann ist mit sich im Reinen. Er findet die Bezeichnung "Genosse der Bosse" nicht schlimm, weil es doch nicht ehrenrührig sei, sich für die Wirtschaft einzusetzen. "Davon haben auch die Arbeitnehmer was."