Hinter diesem 2691 Meter hohen Berg liegen die Leichen ihrer Kinder, Geschwister oder Eltern, in den Tod gerissen vom Copiloten des Germanwings-Fluges 4U 9525 von Barcelona nach Düsseldorf.

Auch der Bergführer Jean-Louis Bietrix ist nach Le Vernet gekommen. Er hatte am Dienstag die erste Gruppe von etwa 20 Einsatzkräften zur Absturzstelle geführt, kaum ein Wrackteil in dem etwa 400 mal 400 Meter großen Gebiet sei größer als ein Buch gewesen. "Der erste Gedanke war bei den Opfern und bei ihren Angehörigen", sagt er in Le Vernet, einer kleinen Siedlung in unmittelbarer Nähe des Katastrophenortes.

In einem Ferienzentrum am Fuß der Berge, in der "Domaine du Vernet", haben Polizisten und örtliche Helfer alles vorbereitet für die Ankunft von Familienmitgliedern der insgesamt 150 Menschen, die die Reise nach Düsseldorf nicht überlebt haben. Die Helfer sprechen auch über die jüngsten Erkenntnisse der Ermittler zur Ursache der Katastrophe. "Wer kann das noch verstehen?", fragt der Lehrer Robert Murcia. Er trägt eine gelb-rote Schleife am Kragen und ist als Dolmetscher für Angehörige aus Spanien nach Le Vernet gekommen.

"Hier sind wir der Absturzstelle am nächsten", sagt die Tochter des Bürgermeisters von Le Vernet, Josephine Balique. Wenn es das Bedürfnis danach gebe, könnten Angehörige und Freunde auch noch etwas näher ins Gebirge hineinlaufen, sagt die Geschichtsstudentin.

Bis zur Absturzstelle zu gelangen, sei aber nicht möglich, sagt der Unterpräfekt von Aix-en-Provence, Serge Gouteyron. "Das ist viel zu gefährlich." Die kleinen Straßen und Schotterwege, die wie in dem Weiler St. Pierre in Richtung Absturzstelle führen, sind von der Polizei gesperrt. "Die Passage ist sehr schwierig", sagt Bergführer Bietrix aus Prads-Haute-Bléone, einem kleinen Ort südlich des Unglücksmassivs. Streckenweise müssten auf dem Weg Marmorfelsen mit einer Steigung von 60 bis 80 Prozent überwunden werden. Der Ort der Katastrophe ist nicht nur ein Ort der Trauer, sondern auch der Ermittlungen. Immer wieder sind auf den Straßen Experten der Luftfahrtuntersuchungsbehörde BEA in ihren Dienstwagen zu sehen.