In Israel, das gerade erst einen 22-tägigen Waffengang gegen die Hamas erlebte, kommt die harte Linie des Rechts-Nationalisten mit dem Beinamen "Zauberer" an. Umfragen vom Freitag zufolge kann Netanjahus Likud-Partei damit rechnen, bei der Wahl am Dienstag die Zahl ihrer zwölf Mandate mehr als zu verdoppeln und stärkste Fraktion in der Knesset zu werden. Zehn Jahre nach seinem Ausscheiden aus dem Amt steht der einst jüngste Ministerpräsident Israels somit vor der Rückkehr zur Macht. Für den 58-Jährigen, der mit seinem großen rhetorischen Talent vor allem bei Medienauftritten punktet, wäre dies eine Revanche für die Schlappe seiner Partei bei den vergangenen Parlamentswahlen im März 2006. Parteigenossen machten Netanjahu damals für die schlimmste Niederlage in der Geschichte der konservativen Likud-Partei verantwortlich, bei der sie nur fünftstärkste Fraktion in der Knesset wurde. Dieses Mal rivalisiert "Bibi", wie ein weiterer Beiname des Politikers lautet, mit der Kadima-Spitzenkandidatin Zipi Livni und greift die Außenministerin hart an: "Sie hat nicht das Format", heißt es zu einem Foto der Wahlkampagne, auf dem sie das Gesicht nach unten gewandt hinter einer Hand verborgen hält und überfordert wirkt. Der Likud-Mann präsentiert sich hingegen als Macher: Eine Regierung der nationalen Einheit will er anführen. Im Konflikt mit den Palästinensern hält er an der Idee des Erez Israel, eines Israels in den biblischen Grenzen, fest. Eine Teilung von Jerusalem lehnt er strikt ab.