Der Überlieferung nach lebten Köhler früher einsam im Wald. Wochenlang blieben sie bei ihren Meilern zur Herstellung von Holzkohle, weil das Feuer kontrolliert werden musste. Wenn sie mit rußgeschwärztem Gesicht ins Dorf zurückkehrten, hatten nicht wenige Angst vorm „Schwarzen Mann“.

Auch René Meyers Köhlerei liegt einsam auf einer Anhöhe zwischen Clausnitz und Cämmerswalde fast an der tschechischen Grenze. „Die Auflage des Landratsamtes für mein Gewerk verlangte einen Kilometer Entfernung von sogenannten schutzwürdigen Gütern, also Wohnbebauung“, sagt der 37-Jährige. In diesem Jahr hat er sich selbstständig gemacht. Doch sein Ziel ist das ganze Gegenteil von Einsamkeit: Meyers Firma trägt den Zusatz „Erlebnisköhlerei“.

Angst vor ihm scheint auch niemand zu haben. Die ersten Schulklassen haben sich im Spätsommer zeigen lassen, wie aus kräftigen Buchenscheiten die den meisten nur zu Grillzwecken bekannte Holzkohle entsteht. Zum Tag des traditionellen Handwerks im Oktober erlebte der Köhler einen nicht erwarteten Ansturm, mittlerweile sind auch fast alle Termine für Weihnachtsfeiern am rauchenden Meiler ausgebucht. Ab kommendem Jahr sind Köhlerkurse, Wildniscamps, Floßgraben-Wanderungen und ähnliche Naturerlebnis-Aktionen geplant. Dafür baut Meyer noch einfache Unterkünfte. „Damit will ich auch den Tourismus hier in der Gegend beleben“, sagt er.

Auf die Köhlerei ist der gelernte Betriebswirt in Vorbereitung der 800-Jahr-Feier von Clausnitz 2010 gekommen. „Da haben wir bisschen experimentiert und zum Fest einen Meiler aufgebaut“, sagt er.

Meyer wollte Holzkohle nach klassischer Methode produzieren. Gegen Zweifel und Widerstände von der Familie bis zu Behörden setzte er seinen Plan um. „Meine Frau sagt, einer arbeitet zum Geldverdienen und einer zum Spaߓ, gibt er zu.

Wie die Köhler in alten Zeiten wohnt Meyer im Sommer in der Hütte bei seinem Meiler. „Viel schlafen kann ich nicht, alle zwei bis drei Stunden müssen Luftlöcher gestochen oder geschlossen werden“, sagt er. Die Kunst besteht darin, den bis zu drei Meter hohen Holzhaufen gleichmäßig verkohlen zu lassen.

Während ein Meiler schwelt, wird der nächste aufgebaut. Dazu werden drei Holzstangen in der Mitte eines runden Platzes fixiert. Sie markieren den späteren Zündkanal. Um diesen schichtet der Köhler die etwa einen Meter langen Holzscheite von innen nach außen auf und deckt das pyramidenähnliche Gebilde mit einem Erde-Lehm-Gemisch ab. Nach dem Zünden dauert die Verschwelung etwa sieben Tage. Danach wird der Meiler aufgebrochen, mit Wasser gekühlt und die Kohle mit einem Rechen „geerntet“.