Mubarak sei "ein erfahrener Staatsmann in der Region", erklärte ein Regierungssprecher in Berlin danach - für die Kanzlerin sei es wichtig, wie er die weitere Entwicklung im Nahen Osten einschätze. Erfahren ist Mubarak in der Tat, er regiert das Land am Nil seit knapp einem Vierteljahrhundert. Damit hält sich der 77-Jährige - mit Ausnahme von Libyens Revolutionsführer Muammar el Gaddafi - länger an der Macht als jeder andere Staatschef in der arabischen Welt.
Gestern kam Mubarak zu einem dreitägigen Besuch nach Berlin. Er traf zum Auftakt mit Bundespräsident Horst Köhler zusammen. Danach stand ein Treffen mit dem früheren Außenminister Hans-Dietrich Genscher (FDP) auf dem Programm. Für heute ist ein Gespräch mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) vorgesehen. Ein Thema dabei ist der Nahost-Friedensprozess nach dem Wahlsieg der radikal-islamischen Hamas in den Palästinenser-Gebieten.
Der "Pharao" Mubarak hat die Schaltstellen der Macht fest im Griff. Massiv von den staatlichen, ägyptischen Medien unterstützt, musste er auch im Wahlkampf im vergangenen Spätsommer die Konkurrenz seiner Gegenkandidaten nicht fürchten. Die Wähler bestätigten ihn für weitere sechs Jahre im Amt.
Der Präsident mit dem straff zurückgekämmten schwarzen Haar, der sechs Attentatsversuche überlebte, gilt als Sicherheitsfanatiker: Nach seinem Amtsantritt 1981 verhängte er das Kriegsrecht und hob es seither nicht mehr auf. Als eines seiner großen Verdienste wird ihm zugerechnet, dass er nach dem Mord an Sadat die Politik der Aussöhnung mit Israel fortsetzte, obwohl die arabischen Nachbarstaaten
diplomatischen Druck ausübten, und Ägypten zu einem stabilisierenden Faktor in der konfliktreichen Region machte. Mubarak suchte die Anlehnung an die Vereinigten Staaten, deren enger Verbündeter er bis heute geblieben ist. Über die Jahre machte der Präsident sein Land zu einer der führenden Nationen der arabischen Welt. Kairo ist heute Sitz der Arabischen Liga; bei den Verhandlungen mit Israel ist Ägypten Mittler und Gastgeber regionaler und internationaler Gipfeltreffen.
Die wirtschaftliche Bilanz sieht dagegen düster aus: Bürokratie und Korruption wuchern im Staatsapparat, die Schere zwischen Arm und Reich klafft immer weiter auseinander. Die wachsende Armut fördert den Extremismus, den Mubarak von Anfang an mit aller Härte zu bekämpfen suchte. Die Terroranschläge vom vergangenen Juli, bei denen im Badeort Scharm el Scheich fast 70 Menschen getötet wurden, zählten zu den schlimmsten, die Ägypten bisher erlebt hat.