Doch für Beobachter ist klar, dass der Wiederaufbau im Irak bisher längst nicht so glatt verlaufen ist wie die Militäroffensive. Deshalb muss Bremer nun eine radikale Kurskorrektur vornehmen, um Gesetzlosigkeit und Plünderungen in den Griff zu bekommen.
"Wenn wir nicht schnell etwas unternehmen, dann wird uns das hier um die Ohren fliegen", zitiert die "New York Times" einen US-Beamten. Die öffentliche Ordnung sei in einem weit größeren Umfang zusammengebrochen als erwartet. Viele in Washington machten dafür Garner und sein Team verantwortlich. Dem Ex-General wird vorgeworfen, er habe sich aus berechtigter Sorge um seine Sicherheit zu sehr hinter den Mauern eines ehemaligen Palastes von Saddam Hussein verschanzt und sich damit für die Iraker "unsichtbar" gemacht.

Befehlsgewalt nicht geklärt
Hinzu kamen Probleme bei der Zusammenarbeit mit den Militärs. Es war unklar, wer denn nun die höchste Befehlsgewalt im Irak hat. Der Kommandeur der Landtruppen im Irak, Generalleutnant David McKiernan, gab Ende April einen Erlass heraus, in dem er feststellte, dass nicht Garner, sondern seine Truppen die höchste Autorität im Land darstellten.
Und während Garner unsichtbar blieb und sich das Militär aus Angst zurückhielt, es könne mit einem zu harten Durchgreifen gegen Plünderer die Iraker gegen sich aufbringen, eskalierte die Lage. Die Plünderungen rissen nicht ab und in Bagdad griff die Gesetzlosigkeit immer weiter um sich. Zugleich gelang es den Amerikanern nicht, genügend für die die Bevölkerung zu unternehmen. So gibt es in vielen Stadtteilen noch immer keinen Strom und kein funktionierendes Telefonnetz.
Der neue Zivilverwalter, ein langjähriger Mitarbeiter des Außenministeriums, steht damit vor einer gewaltigen Aufgabe. Schwierigkeiten könnte Bremer auch die Rivalität zwischen dem Außen- und dem Verteidigungsministerium in Washington bereiten. So hatte Verteidigungsminister Donald Rumsfeld von Anfang an darauf gedrungen, dass der Wiederaufbau Sache des Pentagons sei und den Ex-General Garner benannt.
Noch Anfang Mai hatte sich Rumsfeld angesichts von Gerüchten über eine Umstrukturierung entschieden gegen eine Absetzung Garners ausgesprochen. "Jay Garner erfüllt seine Aufgabe für die Nation hervorragend", betonte Rumsfeld. "Jede Andeutung des Gegenteils ist schlicht falsch und boshaft."

Enger Freund Rumsfelds
Doch nach Informationen der "Washington Post" gelang es Außenminister Colin Powell schließlich, das Weiße Haus davon zu überzeugen, dass ein Diplomat bessere Chancen habe, die Zusammenarbeit zwischen Irakern und US-Truppen zu koordinieren. Das Pentagon musste zurückstecken, kann aber mit der Nominierung Bremers gut leben, da er als enger Freund Rumsfelds gilt und diesem auch Bericht erstattet. Präsident Bush zeigte sich unterdessen überzeugt, dass Bremer die gewaltige Aufgabe lösen kann. Bremer sei ein "Macher", lobte der Präsident den 61-Jährigen.