Bush agierte wie ein Elefant im Porzellanladen: So lässt sich das Ergebnis der Analysen vieler US-Experten zusammenfassen, die sich mit den Gründen für das Scheitern der US-Diplomatie im Irak-Konflikt beschäftigen. Aber nicht nur unabhängige Fachleute kommen zum Schluss, dass die USA mit mehr Geschick, weniger Arroganz und stärkerem diplomatischem Engagement den UN-Sicherheitsrat auf ihre Seite hätten bringen können. Auch frühere und jetzige Washingtoner Regierungsbeamte räumen ein, dass eine Reihe von Fehlern und Fehleinschätzungen dazu führte, dass sich Bush lediglich auf eine "Koalition der Willigen" stützen kann - und dazu eine doch sehr bescheidene. "Wir haben nicht einmal einen Freund wie Mexiko überzeugen können", so Ex-Außenamtssprecher James Rubin.
Die Grundlagen für die diplomatische Sackgasse seien schon mit dem Amtsantritt von Bush gelegt worden, zitiert die "Washington Post" diplomatische Kreise. Sie verweisen auf den unerschütterlichen Glauben des Präsidenten an die Überlegenheit der US-Macht und die frühzeitige Skepsis gegenüber internationalen Organisationen. Schon bevor Bush am 12. September vergangenen Jahres vor die UN getreten sei, habe er viele Länder mit einseitigen Schritten verärgert. Dazu gehöre das Ausscheren aus Klima-Vereinbarungen von Kyoto, der Absage an den Internationalen Strafgerichtshof und die Aufkündigung des ABM-Vertrages mit Moskau.
Danach, so sagen Experten, hätten zum Teil gravierende Fehler die Situation weiter verschlechtert. Einer davon war nach Meinung eines Regierungsbeamten der Umgangsstil: Die USA hätten zwar stets von Konsultationen gesprochen, seien aber häufig "ultimativ" erschienen. "Hätten wir das besser machen können? Gewiss", sagt der Beamte. "Wir waren in den Augen der anderen wie eine Dampfwalze."
Der wohl schwerste Fehler in den Augen vieler Fachleute: der rasche Aufbau der Militärpräsenz in der Golfregion parallel zu den Bemühungen um eine friedliche Lösung. Dieser Aufbau, mit größerer Entschlossenheit und mit größerem Engagement betrieben als die Diplomatie, habe von vornherein ein falsches Signal ausgesendet - die Botschaft, dass die USA von vornherein auf das Mittel Krieg setzte. "Es hat sich herausgestellt, dass der militärische Aufbau und die Diplomatie nicht im Einklang standen", zitiert die "New York Times" so auch den einstigen US-Botschafter bei den UN, Richard Holbrooke.
"Die US-Politik wurde auf provokative Weise betrieben, die unsere Verbündeten abgestoßen hat." Und noch ein Kritikpunkt, der sich vor allem gegen Außenminister Colin Powell richtet. Dieser hätte zum Beispiel ein besseres Gespür für die französische Verweigerungshaltung besitzen müssen, sagen viele Experten. Und: Er habe zu viel Zeit am Telefon verbracht, anstatt direkt vor Ort in den einzelnen Ländern um Unterstützung zu werben.