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| 16:44 Uhr

Dennis’ Eltern sollen zum Gerichtspsychiater

Angelika (43) und Falk (36) B., die Eltern des toten Dennis aus Cottbus, sollen nach dem Willen der Staatsanwaltschaft von einem Gerichtspsychiater untersucht werden. Von wolfgang swat

„Die beiden Beschuldigten müssen allerdings zustimmen“ , erklärte dazu der ermittelnde Staatsanwalt, Tobias Pinder.
Dennis war vergangenen Montag zweieinhalb Jahre nach seinem Tod in der Tiefkühltruhe in der elterlichen Wohnung entdeckt worden. Die Mutter hatte ihn dort abgelegt, um möglicherweise zu verschleiern, dass sie die Betreuung ihres Sohnes vernachlässigt und keinen Arzt gerufen hat, obwohl der Junge bis auf Haut und Knochen abgemagert war. Damit die Truhe von Mann und Kindern nicht mehr benutzt wurde, hatte sie einen Defekt des Kühlgeräts vorgetäuscht, das allerdings voll funktionsfähig war. Die Eltern sitzen in Untersuchungshaft.
Im Bildungsausschuss des Landtags muss heute Fachminister Steffen Reiche (SPD) Rede und Antwort stehen, warum der Tod des Jungen so lange Zeit nicht entdeckt wurde. Eine Ermittlungsgruppe des Ministeriums hat bis in die Nacht am Bericht über die Kontrollen in den Cottbuser Ämtern für Jugend, Schule und Soziales gearbeitet. Nach Angaben von Ministeriumssprecher Thomas Hainz wurden 14 Fragenkomplexe untersucht.
Ein Punkt dürfte die von den Ämtern geduldete Verletzung der Schulpflicht durch Familie B. sein. Fakt ist: Dennis, der am 4. Januar 2001 sechs Jahre alt geworden war, hätte am 1. August 2001, also vier Monate vor seinem Tod, eingeschult und vorher schulärztlich untersucht werden müssen. Das ist im brandenburgischen Schulgesetz zwingend vorgeschrieben. Bei einer Zurückstellung hätten die ärztlichen Erkenntnisse berücksichtigt werden müssen. In solchen Fällen verlangt das Gesetz die Förderung des Kindes insbesondere durch den Besuch einer Kindertagesstätte.
Nach bisherigen Erkenntnissen, so Thomas Hainz, ist der Junge nie zur Schule angemeldet worden. Wie die Familie hatten die Ämter den Lügen der Mutter geglaubt, dass Dennis in einem Krankenhaus behandelt werde. Dadurch konnte diese lange Zeit den Tod des Jungen verheimlichen.