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| 02:37 Uhr

Den Wölfen notfalls die Kugel?

Der Wolf ist in Deutschland streng geschützt.
Der Wolf ist in Deutschland streng geschützt. FOTO: dpa
Etwa 120 bis 130 erwachsene Wölfe streifen mittlerweile durch Deutschland. Ihre Wurzeln haben die Tiere in der Lausitz. Weil mehr und mehr Schafe, aber auch andere Nutztiere von Wölfen gerissen werden, werden Stimmen laut, die Raubtiere zu bejagen. dpa/sm

Wann darf nach aktueller Rechtslage ein Wolf erlegt werden?
Der Wolf ist in Deutschland streng geschützt. Ein einzelnes Tier darf nur getötet werden, wenn von ihm entweder eine Gefahr für den Menschen ausgeht oder wenn ein großer wirtschaftlicher Schaden zu erwarten ist.

Ist in Deutschland schon ein Wolf legal getötet worden?
Ja. 2016 wurde in Niedersachsen der Wolf MT6 per Ausnahmegenehmigung getötet. Laut Umweltministerium hatte sich das Tier auffällig verhalten, die natürliche Fluchtdistanz nicht eingehalten und sich Menschen genähert.

Wer ist zuständig, wenn ein einzelner Wolf getötet werden soll?
Das jeweilige Landesumweltministerium entscheidet, ob ein einzelner "Problemwolf" getötet werden darf. Das Land ist aber angehalten, die Entscheidung im Einvernehmen mit dem Bund zu treffen. Denn die Bundesregierung müsste sich für Abschüsse, die gegen die EU-Naturschutzrichtline verstoßen, vor der EU-Kommission verantworten.

Was sagt das Bundesjagdrecht zum Wolf?
Nichts. Denn der Wolf unterliegt dem Bundesjagdrecht nicht. Nur wenn eine Tierart dem Jagdrecht unterliegt und auch eine Jagdzeit hat, darf sie von Jägern erlegt werden. Sachsen ist seit 2012 das erste und bislang einzige Bundesland, in dem der Wolf unter das Landesjagdrecht fällt, allerdings mit ganzjähriger Schonzeit. Das kommt de facto einem Jagdverbot gleich. Das Bundesumweltministerium hält die Aufnahme des Wolfs ins Jagdrecht von Sachsen für verfassungswidrig.

Was genau meint Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) mit einer "begrenzten Abschussfreigabe"?
Er will Wölfe stärker "einhegen", und zwar schon bevor es zu akuten Problemen kommt. Wo nötig, sollte generell der Bestand reguliert werden können, also nicht allein bezogen auf konkrete "Problemtiere". Dafür bringt Schmidt Obergrenzen und "begrenzte Abschussfreigaben" ins Spiel. Dies wäre regional und nicht bundesweit zu regeln - schon weil es nicht überall Wölfe gibt.

Wie wäre eine solche regionale Regelung möglich?
Ein Bundesland kann den Wolf prinzipiell auf die Liste der bejagbaren Tiere setzen, auch wenn er gar nicht im Bundesjagdrecht vorkommt, wie Wolfsexperte Markus Bathen vom Naturschutzbund Deutschland (Nabu) erklärt.

Was ist die Haltung von Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD)?
Eine Regulierung durch Jagd oder Abschuss der Wolfsbestände sei vor dem Hintergrund des strengen Schutzstatus des Wolfes und des Gefährdungsstatus der deutschen Population nicht möglich, heißt es beim Bundesumweltministerium. Der Schutzstatus sei im Artenschutzrecht festgeschrieben, das im Bundesnaturschutzgesetz geregelt ist. Die Entnahme einzelner Problemwölfe - also der Abschuss oder die Ansiedelung des Tieres in einem Wolfsgehege - sei bereits jetzt möglich.

Was sagen die Jäger dazu?
"Eine Aufnahme des Wolfes ins Jagdrecht ist für uns derzeit kein Thema", sagte Torsten Reinwald, Sprecher des Deutschen Jagdverbands. "Wir haben drängendere Forderungen. Einzelne problematische Tiere müssen schnell und unbürokratisch entnommen werden, sonst droht der Verlust der Weidetierhaltung."

Wäre eine Bejagung des Wolfes nach EU-Recht möglich?
Nein, sagt Nabu-Experte Bathen. Zwar habe die EU nichts gegen die Aufnahme des Wolfes ins Jagdrecht, da dies zu keiner direkten Abschussfreigabe führt. Allerdings würde die Festlegung von Jagdzeiten, also das Recht für Jäger, Wölfe zu töten, die EU-Behörden auf den Plan rufen. "Aufgrund des internationalen und europäischen Rechts kann der Wolf aktuell keinem Jagdregime mit Jagdzeiten unterworfen werden", erklärt das Bundesumweltministerium.