Für die Pflege von Kultur und Sprache der sorbischen Minderheit in Sachsen und Brandenburg fehlt im nächsten Jahr eine Million Euro. Statt wie in diesem Jahr 17,8 Millionen Euro stünden für 2014 bisher nur 16,8 Millionen zur Verfügung, sagte der Direktor der Stiftung für das sorbische Volk, Marko Suchy, am Dienstag in Cottbus.

Der Stiftungsrat beschloss mehrheitlich den vorläufigen Haushaltsplan der Stiftung. Er sieht Kürzungen bei vielen kulturellen Projekten vor. Außerdem droht ein weiterer Stellenabbau am Sorbischen National-Ensemble in Bautzen, das 2014 rund 4,5 Millionen Euro erhält, damit sogar etwas mehr als dieses Jahr.

Falls der Bund seine Zuwendung doch noch erhöhen sollte und auch Sachsen und Brandenburg mitziehen, soll im nächsten Frühjahr ein regulärer Etat beschlossen werden. "Wir hoffen, dass bis dahin der Bundeszuschuss für 2014 wieder auf das Niveau von 2013 angehoben wird", sagte Suchy. Wegen der laufenden Koalitionsverhandlungen zwischen Union und SPD sei dazu bisher nichts bekannt.

Die Stiftung habe für 2014 allein 800 000 Euro an höheren Tarifzahlungen als 2013 für die Mitarbeiter der Einrichtungen zu verkraften, sagte Suchy. Deshalb liefen unter anderem auch Verhandlungen mit den Gewerkschaften über einen Haustarifvertrag für das Sorbische National-Ensemble. Ziel sei die weitere Verringerung der Stellenzahl von derzeit 90 auf 81 bis Mitte nächsten Jahres.

Nach Wunsch des Stiftungsrates soll der Haustarifvertrag mindestens 400 000 Euro Einsparungen erbringen. "Wenn das nicht gelingt, werden Verträge von Mitarbeitern nicht verlängert, wo das juristisch machbar ist", kündigte Suchy an.

Unterdessen haben die Oppositionsparteien im Potsdamer Landtag eigene Änderungsvorschläge zu dem am Wochenende bekanntgewordenen Entwurf der rot-roten Regierungskoalition für eine Novelle des Sorben- und Wendengesetzes angekündigt. So wollen die Grünen zusammen mit dem fraktionslosen Abgeordneten Gerd-Rüdiger Hoffmann erreichen, dass der geplante Sorbenbeauftragte der Landesregierung in der Staatskanzlei angesiedelt wird. Auch sehen die Oppositionsabgeordneten die Pläne einer Öffnungsklausel, durch die weitere Gemeinden zum sorbisch-wendischen Siedlungsgebiet hinzukommen sollen, kritisch. "Der Minderheitenschtutz ist die Krone der Demokratie", so Hoffmann. Das neue Gesetz müsse in der Region verwurzelte Vorurteile besiegen helfen. Er sei entsetzt, dass mancherorts noch immer der vom Nationalsozialismus geprägte Begriff der "Spreewaldtracht" für die sorbische Tracht verwendet werde.

"Es ist ein Grundproblem, wenn in einer Kommune die Mehrheit der Stadtverordnetenversammlung entscheiden kann, ob der Ort zum Siedlungsgebiet gehören soll", sagte die Parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen, Marie-Luise von Halem. Die Lübbenauer Landtagsabgeordnete Roswitha Schier (CDU) hingegen betonte: "Wir halten an dem Anspruch fest, dass die Stadtverordneten entscheiden können - bin ich Teil des Siedlungsgebiets oder nicht."