Herr Professor Zimmerli, nehmen Sie die Wahl an?
Ja. Das heißt aber noch nichts. Ich bin da vorsichtig, weil es ja schon einmal schief gegangen ist. Als nächstes wird es Gespräche mit dem Ministerium geben.

Wo wird die BTU am Ende Ihrer ersten Amtsperiode stehen, also in sechs Jahren?
Ich glaube nicht, dass wir die BTU mit einem Wachstum der Studentenzahlen nach vorne bringen werden. Das liegt einfach daran, dass die technischen Universitäten in Deutschland alle Probleme in der Rekrutierung von genügend Studierenden haben. Wir sollten die Studierendenzahlen nicht so sehr bei den Anfängern, sondern mehr in der postgradualen Bildung suchen. Da möchte ich gern, dass die BTU ihren Ruf als "klein aber fein" unter den technischen Universitäten des Landes noch verstärkt, den sie schon hat - nämlich in den Bereichen Umwelt und Architektur exzellent zu sein. Auf dem Sektor Umwelt hat die BTU durchaus eine Chance, eine Alleinstellung zu kriegen.

Was liegt bei der BTU besonders im Argen, was Sie zuerst angehen wollen?
Ich habe mir angewöhnt, drei Dinge zu befolgen. Erster Schritt: zuhören; zweiter Schritt: ansagen; und dritter Schritt: tun. Ich werde nicht mit Aktionismus anfangen. Um alle mitzunehmen, brauchen wir eine Zielsetzung, an die alle glauben.

Die Senatsmitglieder sind sich nicht einig, und durch das Hickhack im vergangenen Jahr hat auch das Image der Uni gelitten. Finden Sie sich selbst ein bisschen mutig, die BTU leiten zu wollen?
Mutig würde ich das nicht nennen. Vielleicht eher visionär oder zukunftsorientiert. Ich glaube, dass die BTU als innovative, neue Einrichtung gegründet worden ist, dass davon noch viel vorhanden ist und man das nutzen muss. Die Betrachtung zum Imageschaden ist eher selbstkritisch und keine Außenwahrnehmung. Ich kann nicht feststellen, dass die restlichen Bundesländer nach Cottbus schauen und denken, oh, das Ding ist aber vor die Wand gefahren worden. Da wartet man eher gespannt, wie es weitergeht. Außerdem hat die BTU viele Dinge, die andere Unis nicht haben.

Kann man als Präsident etwas tun, um diesen Senat wieder zu vereinen?
Ich werde bei null anfangen, und da muss jeder mitgenommen werden. Sicher wird das nicht für 100 Prozent der Fälle gelten. Aber ich bin nicht der Auffassung, dass ein Präsident nur für die da sein sollte, die ihn gewählt haben.

Sie sind von Hause aus Philosoph. Was können Sie als Geisteswissenschaftler in eine technische Uni einbringen?
Ich bin immer jemand gewesen, der diese Abtrennung hinterfragt hat. Ich habe an verschiedenen technischen Fakultäten und Universitäten gewirkt und fand das Experiment BTU immer sehr interessant, weil sie mit wenigen Ausnahmen nicht nach den klassischen Fakultäten einer technischen Universität gestrickt ist, sondern eher themenorientiert. Und da sind wir bei dem, was einen Philosophen immer interessiert: Es kommt darauf an, die Probleme zu identifizieren, und die Probleme laufen immer quer durch die Disziplinen.

Ziehen Sie jetzt mit Ihrer Familie nach Cottbus?
Das habe ich vor. Ich bringe meine Frau und meine Katze mit - in der Reihenfolge. Die Katze stammt übrigens aus Greifswald, sie wird sich freuen, wenn sie wieder in östliche Gefilde kommt. Unsere Tochter hat sie uns mitgebracht, als sie in Greifswald studiert hat.

Mit Prof. WALTER CHRISTOPH ZIMMERLI
sprach Susann Winter