Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) zeigte sich empört, "dass der Verfassungsschutz so wenig weiß und dass wir nicht informiert sind". Schließlich habe man es mit terroristischen Gruppierungen zu tun. Systemfeindliche und gewalttätige Aktivitäten im Untergrund müsse das Landesamt im Vorhinein beobachten, um Ausschreitungen wie die vom Sonnabend zu verhindern. Es müsse "mit den rechtsstaatlichen Mitteln mit aller Härte" vorgegangen werden - doch das passiere nicht. So Jungs Sicht der schweren Ausschreitungen vom Sonnabend.

In der Südvorstadt brannten Mülltonnen, flogen Pflastersteine auf Polizisten, wurden 50 Polizeiautos zerstört. Anlass der Krawalle war eine Demonstration der rechtsex tremistischen Partei "Die Rechte". Die marschierte zusammen mit den rechtspopulistischen Straßeninitiativen "Offensive für Deutschland" und Thügida einen Aufmarsch durch Leipzigs Südvorstadt. Bei den Gegendemonstranten reihte sich auch Jung ein. Nach der Eskalation befürchtet der Oberbürgermeister nun, friedliche Gegendemonstranten könnten künftig fernbleiben, wenn sich Autonome austoben.

Die haben im alternativen Connewitz im Leipziger Süden seit Jahren einen verlässlichen Rückzugsort. Einige schwere Straftaten hat die Stadt in diesem Jahr erlebt - die Spur führte immer in die autonome Connewitzer Szene. Mitte Januar zogen vermummte Steineschmeißer durch die Leipziger City, entglasten Schaufenster und warfen Fenster im Amtsgericht ein. Auch als Ende November nachts Steine in die Wohnung von Justizminister Sebastian Gemkow (CDU) flogen, geriet die gewaltbereite Antifa-Szene ins Visier. Leipzig stellt, anders als Dresden, verlässlich mehr Protest gegen rechtsextreme Aufmärsche auf die Beine - der kippt allerdings oft selbst ins Extreme.

Demonstrationsverbote will Jung trotzdem nicht. Anders als die Polizeigewerkschaft. Die kritisiert, es sei doch bekannt, dass eine genehmigte Demo der Rechten immer Gegendemonstrationen hervorrufe: "Jeder, der sich ein wenig mit dieser Struktur beschäftigte, sollte mitbekommen haben, dass diese Gegendemonstrationen nicht gegen die eigentliche Demonstration, sondern radikal gegen die Polizei geführt wird", erklärte die Gewerkschaft am gestrigen Montag. Auch könne keiner der verletzten Polizisten verstehen, dass alle 23 am Sonnabend festgenommenen Störer wieder auf freiem Fuß sind.

CDU-Fraktionschef Frank Kupfer wies Kritik am Verfassungsschutz zurück. Jungs Anwürfe sollten nur "eigenes Versagen kaschieren", so Kupfer. Schließlich hätten sich in Leipzig "linksextreme Strukturen" entwickeln können. In Connewitz habe man "über Jahre eine linke Subkultur entstehen lassen, in deren Umfeld sich linksmilitante Gruppen entwickelt haben". Das Rathaus, so Kupfer, solle sich fragen ob diese Gruppierungen "nicht auch indirekt gefördert" worden seien.