Für Bundespräsidenten gibt es keine Altersbeschränkung. Heute wird Gauck 75. Das älteste Staatsoberhaupt seit Theodor Heuss.

Bei seinem 70. Geburtstag war Joachim Gauck dem Ruhestand deutlich näher. Zehn Jahre war er damals schon ohne das Amt, das ihn bekannt gemacht hatte: Bundesbeauftragter für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der Deutschen Demokratischen Republik. Auch wegen des sperrigen Titels bürgerte sich die Variante "Gauck-Behörde" ein. Seit seinem Ausscheiden im Jahr 2000 war Gauck vor allem als Vortragsreisender unterwegs, als Anwalt von Freiheit und Bürgerrechten, als "Erinnerungsprofi".

Der Höhepunkt seines Berufslebens schien damals aber schon weit zurückzuliegen. Doch dann kam der 31. Mai 2010. Bundespräsident Horst Köhler trat zurück, und die rot-grüne Opposition nominierte Gauck als ihren Kandidaten für die Nachfolge. Es war ein Coup, die Zustimmung für den Ex-Pastor aus Rostock ging weit über SPD und Grüne hinaus. Doch am Ende reichte es nicht. Der zehnte Bundespräsident hieß Christian Wulff. Das wäre es dann gewesen mit den Ambitionen Gaucks. Aber auch Wulff trat 20 Monate später ab. Diesmal unterstützten Gauck auch FDP und Union - und nach einigem Widerstand auch die Kanzlerin. Am 18. März 2012 wurde er zum Staatsoberhaupt gewählt.

1989 und 1990 sind die Schlüsseljahre im Leben des Joachim Gauck. Damals wurde er 50 Jahre alt. Die Ereignisse Ende 1989 bedeuteten auch persönlich eine so tiefgreifende Wende, dass danach nichts mehr war wie zuvor. Ein Gegner des DDR-Regimes war er von Anfang an, auch aus persönlichen Gründen. Sein Vater war 1951 von den Sowjets verschleppt worden, erst vier Jahre später kehrte er aus dem Gulag zurück. Fast drei Jahre ist Gauck nun Bundespräsident, weithin geachtet, ebenso wie seine Lebensgefährtin Daniela Schadt an seiner Seite.

Im ZDF-Politbarometer der Forschungsgruppe Wahlen kam er im Dezember auf 2,4 Punkte, nur knapp hinter Merkel.