Denn der 17-jährige Syrer, der als Flüchtling nach Deutschland gekommen ist, absolvierte in den letzten Wochen ein mehrwöchiges Praktikum bei der Landtagsfraktion der CDU.

"Ich komme ursprünglich aus Homs", sagt Abdullah Hassoun, der mit seinen Eltern in einem Flüchtlingsheim lebt. Dort kulminierten Anfang 2011 die Proteste gegen die Regierung von Baschar al Assad. Als kleine Kinder "Wir wollen Frieden" an die Wand eines Hauses schrieben, wurden sie von der Polizei verhaftet. "Sie haben ihnen die Nägel ausgerissen, sie geschlagen und getötet", sagt Abdullah Hassoun. Als er auf dem Weg zur Schule die Leichen zweier Männer sah, denen die Köpfe abgeschlagen worden waren, entschloss sich seine Familie zur Flucht. Zunächst in den Libanon, dann nach Ägypten, wo eine Tante lebt. Und schließlich zu Verwandten nach Deutschland. "In Ägypten hatten wir Arbeit, aber wir wurden ausgenutzt", sagt Hassoun. "Als Syrer, deren Notlage bekannt war, bekamen wir für harte Arbeit nur etwa 50 Euro im Monat - davon kann man dort nicht leben."

In Berlin hat Abdullah Hassoun eine Willkommensklasse besucht. Nun geht er in die 9. Klasse einer Oberschule und wird von der katholischen Kirchengemeinde Sankt Laurentius unterstützt.

Freunde der Gemeinde besorgten ihm das Praktikum bei der CDU, auch in die "Junge Union" ist Abdullah Hassoun schon eingetreten. "Ich finde es spannend, zu sehen, wie die Demokratie funktioniert", sagt Hassoun. Vielleicht will er eines Tages Polizist werden, auf jeden Fall aber will er sich politisch weiter engagieren.

Das freut auch die Brandenburger CDU-Fraktion, der Abudllah von der Situation in seiner Heimat berichtet hat. "Wir bieten regelmäßig Schülern die Möglichkeit, bei uns für ein paar Wochen die Abläufe einer Parlamentsfraktion kennenzulernen", sagt der Parlamentarische Geschäftsführer Jan Redmann. "Wir haben uns sehr gefreut, dass sich mit Abdullah erstmalig auch ein syrischer Bürgerkriegsflüchtling bei uns um einen Praktikumsplatz beworben hat." Gemeinsam habe man drei bereichernde Wochen miteinander verbracht.

"Abdullah hat die Grundlagen unserer Demokratie besser verstehen gelernt, und wir haben die Situation der Flüchtlinge durch seine ganz persönliche Geschichte von einer sehr eindrücklichen Seite erleben dürfen."

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Auch unbegleitete minderjährige Flüchtlinge sollen in Brandenburg künftig auf alle Landkreise und kreisfreien Städte verteilt werden. Wegen der erwarteten hohen Zahl in diesem Jahr von bis zu 2000 könne man nicht mehr an den zunächst vorgesehenen wenigen Schwerpunktstandorten festhalten, sagte Bildungsminister Günter Baaske (SPD) im RBB. Untergebracht werden sollen sie in Einrichtungen der öffentlichen Jugendhilfe.