Doch das 73-seitige Papier, das der RUNDSCHAU vorliegt, ist nur eine Auflistung von schon beschlossenen Vorhaben und Projekten oder von bereits vereinbarten Zielen aus dem Koalitionsvertrag.

Begleitet wird der Beschluss von einer Kommunikationsoffensive. Agrarministerin Ilse Aigner (CSU) etwa wird termingerecht Förderbescheide über insgesamt 1,8 Millionen Euro für das Modellvorhaben "LandZukunft" an vier besonders vom Bevölkerungsrückgang betroffene Landkreise verteilen. "Jede Zukunft zählt", dieser Slogan soll in den nächsten Jahren die einheitliche "Dachmarke" der Kommunikation sein.

Zu dem Bericht konnte bereits jedes Ressort seine Leistungen beisteuern. Einige, wie das GKV-Versorgungsstrukturgesetz, mit dem der Arztmangel auf dem Land behoben werden soll, tauchen in dem Papier gleich mehrfach auf: Im Kapitel "Gesundes Alter unterstützen" ebenso wie in dem Kapitel "Lebensqualität in ländlichen Räumen fördern". Auch wird das bekannte Ziel, ab 2016 die Schuldenbremse einzuhalten, unter "Die Handlungsfähigkeit des Staates erhalten" ein weiteres Mal verkauft. An keiner Stelle werden Ideen formuliert oder auch nur angedeutet, die neu und noch nicht abgestimmt sind.

Bemerkenswert ist der Beschluss wegen anderer Dinge. Erstens wird damit die demografische Entwicklung endlich als das absolut überragende Zukunftsthema begriffen, so wie es CDU-Größen wie Kurt Biedenkopf schon lange gefordert haben. Wenn, wie prognostiziert, die Zahl der Menschen in Deutschland bis 2060 von jetzt 82 auf 65 Millionen zurückgeht, haben alle Bereiche ein Problem. Ausdruck der neuen Prioritätensetzung ist unter anderem, dass es laut Beschlussvorlage künftig jährlich einen Demografiegipfel mit allen Akteuren geben soll.

Weiterhin bemerkenswert ist der Grundansatz der Regierung beim größten Problem, dem zunehmenden Nachwuchsmangel in der Wirtschaft. Der eine Teil der Antwort lautet Lebensarbeitszeitverlängerung. Es bleibt bei der Rente mit 67, durch Fort- und Weiterbildung soll der Anteil Älterer an der Beschäftigung erhöht werden. Wenn man eine Quote wie Schweden schaffe und die Erwerbsquote der über 55-Jährigen von heute 56 Prozent auf 70 Prozent anheben könne, dann bedeute das einen Zugewinn von einer Million Vollzeitstellen, wird formuliert.

"Ausschöpfung der stillen Reserve" ist die zweite Antwort. Sie zielt vor allem auf die Frauen. Beruf und Familie sollen besser vereinbar sein, durch flexible Arbeitszeiten, vor allem aber durch den Ausbau von Kindergärten. Das "kostbarste Kapital unseres Landes", nämlich Wissen und Können, müsse "optimal" eingesetzt werden, heißt es.

Zwar ist in dem Text auch davon die Rede, dass die Wahlmöglichkeiten der Eltern weiter gestärkt werden sollten, doch taucht ein Begriff in diesem Zusammenhang mit keiner Silbe auf: das umstrittene Betreuungsgeld. Wohl nicht ohne Grund: Es ist nach Ansicht sogar von Kritikern aus den eigenen Reihen nämlich ein Anreiz für Frauen, nicht arbeiten zu gehen. Und konterkariert so die langfristigen Ziele der Demografiestrategie.