Auf einem dicken Ast streiten sich gerade zwei Totenkopfäffchen um ein Stück Apfel, ein anderer Affe beobachtet in Ruhe die vorbeischlendernden Leute. Mit ihrem auffallend weißen Gesicht, den gelb schimmernden Armen, dem goldenen Schwanz und dem schwarzen Kopf ziehen sie schnell die Blicke der Besucher an. „Im Frühjahr kamen bei uns fünf Junge zur Welt“ , ist Tierparkleiterin Silvia Berger stolz auf den eigenen Nachwuchs.
Einen großen Platz nehmen in Bischofswerda seltene und ehemals heimische Arten ein. Die Luchsfamilie gehört seit Jahren zu den Bewohnern des Parks, auch hier gab es kürzlich Nachwuchs. Geschmeidig bewegen sich die Großwildkatzen in ihrem Gehege und lauern auf die nächste Fütterung. Ein paar Schritte weiter schlummert nebenan die Schnee-Eule in aller Stille.

Waschbären sind große Attraktion
Turbulent geht es dagegen bei den drolligen Waschbären zu, die sich in ihrem erst kürzlich neu eingerichteten Gehege pudelwohl fühlen und zu einer echten Attraktion geworden sind. „Die eigentlich nachtaktiven Tiere haben sich völlig umgestellt und sind jetzt am Tage quicklebendig“ , freut sich Silvia Berger. Früher haben die Waschbären tagsüber geschlafen, jetzt spielen sie im Wasser, knabbern an frischen Zweigen oder klettern die Bäume hoch. Vor allem die Kinder haben an den drolligen Vierbeinern ihre Freude. „In diesem Jahr hatten wir zum ersten Mal eigenen Nachwuchs“ , erzählt die Tierpark-Chefin, die bei der Fütterung oft selbst mit Hand anlegt. Doch im Sommer übernehmen das die Kinder des Feriencamps. Für die Mädchen und Jungen ist die Fütterung ein tolles Erlebnis. 15 Schüler verbringen während der Woche den Tag im Zoo, der auch ein grünes Klassenzimmer beherbergt, in dem gebastelt oder gespielt werden kann.
Der Tierpark ist vor allem für Familien mit Kindern sehr attraktiv und angenehm, da auf engem Raum viele verschiedene Arten zu beobachten sind. Große Bäume spenden Schatten, sodass ein Rundgang auch bei sehr warmen Temperaturen nicht sonderlich anstrengend ist.
Im Streichelgehege bekommen die jüngsten Besucher direkten Kontakt zu heimischen Tieren. Ziegen, Schafe, Kaninchen, Ponys, Meerschweinchen oder Esel können angefasst und gefüttert werden.

Wie in einem Märchenwald
Der Park ist sehr authentisch gestaltet. Die Gehege sind direkt in die Natur integriert. „Unser Tierpark ist wie ein Märchenwald“ , schwärmt Silvia Berger. Einige Tiere können sich sogar frei im Park bewegen. So ist der Lebensraum für die Nasenbären in zwei Bereiche aufgeteilt, die über ein großes Seil miteinander verbunden sind. Da kommt es schon mal vor, dass sich ein Besucher erschreckt, wenn über ihm gerade ein Kletterfreund akrobatische Übungen macht.
Die Tierparkleitung ist gerade dabei, ein neu entwickeltes Konzept umzusetzen. „Mit Bär und Co. im kleinsten Zoo“ , soll bald das Motto der Einrichtung lauten. „In Zukunft dreht sich alles um den Bären“ , schaut Leiterin Silvia Berger voraus. Tiere, die einen Bezug zum Bären haben, stehen dann im Mittelpunkt des Parks. Vom Waschbären, Nasenbären bis hin zu anderen Tieren, die in der Umgebung des Bären leben, werden künftig in Bischofswerda zu sehen sein, erklärt die 44-Jährige die Neuausrichtung der idyllischen Anlage. Derzeit wird das Bärengehege erweitert und ein naturgerechterer Auslauf geschaffen. Die zwei Brillenbären des Parks, die den Namen aufgrund ihres weißen, brillenähnlich angeordneten Fels um die Augen haben, sind die größte Attraktion in Bischofswerda.

Nächstes Jahr ist großes Jubiläum
Der Tierpark wurde 1957 gegründet und „ist auf Initiative der Bevölkerung entstanden“ , erzählt Chronist Wolfgang Gerlach. Im nächsten Jahr feiert die Einrichtung ihr 50-jähriges Bestehen. Dann sollen die Umbauarbeiten abgeschlossen sein. Seit 2001 befindet sich der Zoo in Trägerschaft des Vereins „Lebenshilfe für geistig Behinderte“ , deren Mitglieder sich selbst regelmäßig im Tierpark engagieren. „Für das Bärengehege fehlt uns leider noch etwas Geld“ , sagt Silvia Berger. Der Park sei auch trotz der guten Besucherzahlen nach wie vor auf Spenden angewiesen. Jährlich besuchen in Bischofswerda rund 50 000 Gäste den kleinsten Tierpark Sachsens, was bei 10 000 Einwohnern eine beträchtliche Zahl ist.

Service Tierparkfest
Tierparkfest: Am kommenden Sonntag, dem 20. August, wird in Bischofswerda das traditionelle Sommerfest gefeiert. Ab 14 Uhr erwartet die Besucher ein buntes Programm mit Live-Musik, Bastelstraße und allerlei Überraschungen. Für die Jüngsten ist das Puppenspiel „Hase und Igel“ um 15 Uhr der Höhepunkt des Tages.
Öffnungszeiten: Im Sommer täglich von neun bis 18 Uhr.
Eintrittspreise: Tageskarte Erwachsene zwei und Kinder ein Euro.
Internet: Weitere Infos unter:
www.tierpark.bischofswerda.de