„Plötzlicher Kindstod“ lautet der Arzt-Vermerk in solchen Fällen.
„Der plötzliche Kindstod ist keine Erkrankung, dennoch aber die häufigste Todesursache für Kinder im ersten Lebensjahr“ , sagt Dr. Hendrik Karpinski, Chefarzt der Kinderklinik in Lauchhammer. Um Eltern diesen Schicksalsschlag zu ersparen, beteiligte sich die Einrichtung des Klinikums Niederlausitz mit weiteren Kliniken und Ärzten der Region an einer bundesweiten Studie an der Universität Münster, die jetzt abgeschlossen ist und ausgewertet wird.
Jährlich sterben in Deutschland etwa 600 Kinder den plötzlichen Kindstod. In Brandenburg wurden laut Studie im Jahr 2000 elf solcher Todesfälle registriert, in Sachsen waren es 14, in Sachsen-Anhalt sechs. „Glücklicherweise ist die Tendenz insgesamt sinkend“ , stellt Dr. Mechtild Vennemann von der Uni Münster fest. Plötzlicher Kindstod sei nämlich kein unabwendbares Schicksal, wenn Risikofaktoren ausgeschlossen würden, so die Mitautorin der Studie. Bauchlage der Säuglinge und das Rauchen der werdenden Mutter stünden an vorderster Stelle.
Verstärkt setzen die Mediziner auf vorbeugende Aufklärung, denn Deutschland rangiert im weltweiten Vergleich der Industrienationen auf hinteren Positionen. Vorzeigestaat sind die Niederlande mit 0,14 Todesfällen pro 1000 Lebendgeburten, in Deutschland sind es 0,6 Todesfälle.
Im Regierungsbezirk Dresden hatte man 1994 mit einer Informationskampagne begonnen, die nach Angaben von Dr. Ekkehart Paditz von der Universitätsklinik Dresden Früchte trägt. Von Januar bis August vergangenen Jahres wurden nur 0,12 Todesfälle je 1000 Lebendgeburten registriert.
Auch in Lauchhammer und in anderen Kliniken der Region erhalten die Mütter nach der Entbindung Informationsbögen mit auf den Weg in den häuslichen Alltag. „Wir sprechen aber auch mit den Müttern über die Gefahren, denn die Zettel verschwinden leider oft in irgendwelchen Mappen“ , so Chefarzt Hendrik Karpinski. Diese Gespräche seien wichtig, weil durch den Verlust der Großfamilien auch viel Erziehungserfahrung und Pflegewissen der älteren Generation verloren gingen, so Karpinski. Zudem würden eine Unmenge von Ratschlägen von Außen auf die jungen Mütter einstürmen, etwa von Friseuren, die vor kahlen Haarstellen am Hinterkopf bei Rückenlage des Säuglings warnen.
Auf die Notwendigkeit permanenter Aufklärung „in allen Bereichen, in denen Säuglinge betreut werden“ , verweist auch Dr. Thomas Erler, Oberarzt in der Kinderklinik des Cottbuser Carl-Thiem-Klinikums. Er hat maßgeblich darauf hingewirkt, dass sich auch Brandenburg an der Studie beteiligt hat. „Wir können uns als Kinderärzte doch nicht einfach dem Schicksal ergeben“ , so Dr. Erler. Je mehr Daten man habe, um so wirksamer könne man dem Phänomen begegnen. Inzwischen wisse man, dass 80 Prozent der Säuglinge, die im Schlaf vom Tod überrascht wurden, auf dem Bauch gelegen haben. Verrauchte Schlafzimmer der Kinder, sehr junge Mütter, Nichtstillen von Babys und schwieriges soziales Umfeld sind als weitere Risikofaktoren bekannt. Mediziner wie Erler sind überzeugt, dass bei richtigem Verhalten in 50 bis 90 Prozent der Fälle den Eltern der eingangs beschriebener Schicksalsschlag erspart bleiben könnte.