Hermann Sylvius Graf von Pückler, der Urgroßneffe von Fürst Pückler, wurde 1939 in Wien geboren und lebte die ersten Jahre seiner Kindheit im Schloss Branitz. 1945 floh die Familie, sie musste ihren Besitz zurücklassen. Sein Vater war im Januar 1945 bei einem Todeskommando in Polen gefallen. Seine Schulzeit verbrachte Pückler in Hannover in ärmlichen Verhältnissen. Er studierte Jura in Freiburg und München, wo er Franz-Josef Strauß kennenlernte. Beide verband ihre politische Tätigkeit in der CSU.

Hermann Graf von Pückler war Geschäftsmann und Unternehmensberater. Nach der Wende siedelte er sich wieder in Branitz an. Die Ablehnung des Restitutionsantrages im Jahr 1991 kam für ihn überraschend. Die Familie erhielt nur bewegliche Sachen wie die Bibliothek, Kunstgegenstände und Bilder zurück, die heute als Dauerleihgaben im Schloss zu sehen sind. Über weitere verschwundene Bücher, Bilder und Mobiliar hat sie umfangreiche Forschungen angestellt und konnte einiges zurückerwerben.

Graf von Pückler kaufte Teile des Landes zurück, sanierte das heruntergekommene Parkinspektorenhaus und machte es zu seinem Branitzer Wohnhaus. Er reorganisierte örtliche Betriebe und sanierte den Kindergarten - über diesem wohnte er, bis das Inspektorenhaus fertiggestellt war. Außerdem baute er einen Forstbetrieb auf. Vielen Branitzern war er Ansprechpartner.

Er fühlte sich dem Erbe seiner Familie in Branitz, insbesondere der Parkschöpfung des Grünen Fürsten Hermann von Pückler-Muskau und seinem Nachlass tief verpflichtet. Nach der Gründung der Stiftung Fürst-Pückler-Museum Park und Schloss Branitz im Jahr 1995 brachte sich Graf Pückler intensiv in die Entwicklung von Branitz zu einem Ort der Bewahrung und Pflege des Erbes Fürst Pücklers ein. So war er maßgeblich daran beteiligt, die Pückler-Callenberg-Bibliothek nach Branitz zurückzuführen, die zu DDR-Zeiten in die Potsdamer Landesbibliothek ausgelagert worden war. Graf Pückler wirkte viele Jahre zuerst als Vorsitzender des Stiftungskuratoriums, dann als Stiftungsratsmitglied an der Gestaltung der Pückler-Stiftung in Branitz mit.

Pückler war zudem Ehrensena tor der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg (BTU) und brachte sich meinungsstark in öffentliche Debatten ein, etwa zum Braunkohlebergbau. Das 2010 am Staatstheater Cottbus aufgeführte Stück "Fürst Pücklers Utopia" nannte er einen "unglaublichen Klamauk."

Am Donnerstag ist Hermann Graf von Pückler nach langer Krankheit im Alter von 77 Jahren gestorben. Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) sprach den Hinterbliebenen sein Beileid aus und würdigte den Verstorbenen: "Sein Hauptanliegen war es, Branitz über die Landesgrenzen hinweg in neuem Glanz erstrahlen zu lassen. Das ist ihm eindrucksvoll gelungen und dafür gebührt ihm großer Dank."

Der Cottbuser Oberbürgermeister Holger Kelch (CDU) schätzte Pückler als "stets verlässlichen, streitbaren, dabei immer fairen und inspirierenden Begleiter, Partner und Ratgeber." Seine letzte Ruhe soll Hermann Graf von Pückler gemäß seinem ausdrücklichen Willen in Branitz finden.