Birken, Buchen, Eichen, Tannen, Fichten, Ahorn, Eschen, Erlen, Kiefern: Die meisten Menschen können auf Anhieb eine Liste von in Deutschland heimischen Baumarten runterrattern. Doch selbst wenn diese Liste komplett ist, ist sie nicht besonders lang: Deutlich weniger als 100 verschiedene Baumarten wachsen hierzulande. Das ist erstaunlich wenig im Vergleich zu der Baumvielfalt, die es rund um den Globus gibt.

Kurz vor dem morgigen Tag des Baumes stellte die Organisation Botanic Gardens Conservation International (BGCI) eine Online-Datenbank vor, die erstmals alle bekannten Baumarten auf der Welt auflistet: "GlobalTreeSearch". Demnach gibt es rund um den Globus 60 065 verschiedene Baumarten, die meisten davon in Brasilien, Kolumbien und Indonesien.

In Deutschland sind es nach Angaben des Thünen-Instituts für Waldökosysteme in Eberswalde höchstens 60 verschiedene Arten. Dabei ist für Institutsleiter Andreas Bolte ein Baum ein Gehölz, dass größer als fünf Meter ist und im Normalfall nur einen Stamm bildet. Die verschiedenen Organisationen arbeiten teils mit unterschiedlichen Baum-Definitionen.

Die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) spricht von bis zu 77 Arten in Deutschland. "Wir haben gerade erst nachgezählt", unterstreicht Bundesgeschäftsführer Christoph Rullmann. "In Deutschland finden sich demnach nur 0,1 bis 0,13 Prozent aller Arten", konstatiert Rullmann. "Unsere vier Hauptbaumarten sind Fichte, Kiefer, Buche und Eiche", ergänzt Bolte.

Dass es in Mitteleuropa vergleichsweise wenig Baumarten gibt, rühre von der letzten Eiszeit her und der ungünstigen Ost-West-Ausrichtung der Gebirge wie den Pyrenäen, Alpen und Karpaten, erklärt Thünen-Institutsleiter Bolte. "Viele vor der Eiszeit vorkommende Arten konnten der Vergletscherung nicht nach Süden ausweichen und sind daher ausgestorben", sagt er. Nur vergleichsweise wenige Baumspezies gelangten in die Rückzugsgebiete am Mittelmeer und auf den Balkan. Daher lässt es sich erklären, warum nach dem Abklingen der letzten Eiszeit vor rund 12 000 Jahren nur wenige Arten zurückwandern konnten.

"Unser Wald ist daher aus geologischer Sicht ein sehr junges Ereignis. Die Kernbereiche der Tropen waren wahrscheinlich von solchen Umwälzungen seit Jahrmillionen nicht betroffen und konnten sich ungestört auseinander differenzieren", sagt Bolte. SDW-Geschäftsführer Rullmann ist sich sogar sicher, dass es weltweit noch sehr viel mehr als die jetzt bekannten 60 065 Arten gibt, da in den Tropen nicht alle Unterarten ausdifferenziert wurden. Es bleibe wegen der Vielfalt oft bei den Oberbegriffen. "Dort kommen auf einem Hektar mehr als 100 Arten vor", ergänzt Bolte.

In Deutschland gebe es beispielsweise die Birkenartigen, zu denen Hainbuche und Birke gehören, so Rullmann.

Insgesamt betrachtet gehe es nach Boltes Einschätzung dem deutschen Wald gut. Probleme bereite der hohe Stickstoffeintrag. In Zukunft könnte sich die Lage durch den einsetzenden Klimawandel mit Trockenheit, Hitze und Schädlingen verschärfen. Die anfälligste Art in diesem Kontext sei die Fichte, die dem Borkenkäfer schutzlos ausgeliefert ist. Daher sei der Waldumbau von Nadelwäldern in Laub- und Mischwaldgesellschaften eine Gegenmaßnahme, unterstreicht der Eberswalder Forscher.

Zu den seltensten Baumarten in Deutschland gehören im Übrigen die Wildobstarten wie Wildapfel, Elsbeere und Speierling sowie die Flaumeiche. Schon mal gehört?

Eine Douglasie im Schwarzwald hingegen stellt alle anderen Bäume deutschlandweit in Sachen Größe in den Schatten. "Waldtraut" ist schon 107 Jahre alt - und immer noch im Wachstum. Die Douglasie im Stadtwald von Freiburg legt pro Jahr 30 bis 33 Zentimeter zu - und ist mit 66,58 Metern offiziellen Angaben zufolge der höchste Baum Deutschlands. Förster nutzen den Rekordbaum, um über Wald- und Forstwirtschaft zu informieren. Douglasien sind zwar heimisch geworden in Deutschland, doch sie sind Bäume mit Migrationshintergrund. Und sie wachsen höher hinaus als Tannen, Buchen oder andere Bäume. "Uns liegen alle Bäume gleichermaßen am Herzen. Aber Waldtraut hat es schon zu einer gewissen Bekanntheit gebracht", sagt Nicole Schmalfuß. Die 44-Jährige ist Leiterin des städtischen Forstamtes in Freiburg.

Der Baumriese habe sich zu einem Wander- und Ausflugsziel entwickelt, sagt Schmalfuß. Förster und Naturschützer nutzen das, um über das Ökosystem Wald zu informieren. Sie sprechen Schulklassen, Wanderer und Ausflügler an. "Der Aha-Effekt ist meist sehr groß", sagt die Försterin. "Nur wenige Menschen wissen, wie mächtig, komplex und zugleich sensibel das Ökosystem Wald ist."

Mit dem Auto sei Deutschlands höchster Baum nicht zu erreichen. "Die Besucher müssen zu Fuß einige Kilometer durch den Wald gehen und erleben somit schon auf dem Weg, wie vielseitig und eindrucksvoll unsere Wälder sind." Waldtraut, sagt Schmalfuß, locke Menschen in den Wald, die sonst nicht kommen würden.

Mehr zur weltweiten Baumarten-Datenbank unter

www.bgci.org

Zum Thema:
Laut Waldzustandsbericht von 2016 ist annähernd die Hälfte der Waldfläche inBrandenburg in einem guten Zustand. 46 Prozent der Wälder haben danach keine sichtbaren Schäden. Das seien fünf Prozent mehr als im Jahr 2015. Zugleich blieb die Zahl der Wälder mit deutlichen Schäden gleich: Betroffen sind laut Bericht neun Prozent der Waldfläche im Land. Bei den Baumarten gibt es laut Bericht große Unterschiede. Demnach sind 47 Prozent der Kiefern ohne Schäden und damit acht Prozent mehr als noch 2015. Eichen weisen besonders häufig deutliche Mängel auf: Die Zahl beläuft sich auf 20 Prozent. Sie sind die am stärksten geschädigte Baumartengruppe. Der sächsische Wald hat sich nach Einschätzung von Forstminister Thomas Schmidt (CDU) erholt. Das sagte er bei der Vorstellung des Waldberichtes 2016. Schäden durch Stürme oder massiven Borkenkäferbefall seien ausgeblieben. Der Wald zeichne sich durch eine stabile Vitalität aus. Das Niveau sei seit 2008 weitgehend gleichbleibend. Im Vergleich mit anderen Baumarten kamen die Eichen am besten mit der Trockenheit des Jahres zurecht. Als Sorgenkind gilt die Rotbuche.