Die mehrstündige Durchsuchungsaktion in Köln fand in einem größeren Mehrfamilienhaus mit rund 60 Wohnungen statt. Beamte des Bundeskriminalamts (BKA) sollen sich dabei auf die Wohnung eines jungen Mannes konzentriert haben, der dort nach Angaben von Bewohnern seit rund 18 Monaten gelebt hat. Das Haus war bereits in der Nacht zu gestern ins Visier der Ermittler geraten. Anwohner berichteten von einer nächtlichen Polizeiaktion mit Durchsuchung und anschließender Observation.
Der zweite mutmaßliche Bombenleger scheint sich vor seiner drohenden Festnahme rechtzeitig ins Ausland abgesetzt zu haben. Er soll wie der festgenommene Terrorverdächtige einen arabisch klingenden Namen haben. Die beiden Männer sollen am 31. Juli in zwei Regionalzügen jeweils eine Kofferbombe abgelegt haben. Die Rollkoffer waren in Dortmund und Koblenz entdeckt worden. Nach Darstellung der Ermittler detonierten sie lediglich wegen eines handwerklichen Fehlers nicht.
In Oberhausen im Ruhrgebiet soll es ebenfalls zu einer Durchsuchung im Zusammenhang mit den Kofferbomben gekommen sein. Von offizieller Seite drangen jedoch keinerlei Informationen zum Ermittlungsstand nach außen. Eine BKA-Sprecherin in Wiesbaden sagte, "wir geben keinerlei Stellungnahme ab". Auch die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe und die Kölner Polizei machten keine Angaben. Am Freitag hatten BKA und Bundesanwaltschaft Aufnahmen der Verdächtigen veröffentlicht. Daraufhin wurde der 21-jährige Libanese Youssef Mohamad E. H. am Samstag in Kiel festgenommen.
Der Waffenexperte Alexander Kekulé äußerte unterdessen Zweifel an der Version der Ermittler, wonach die Bomben bei einer Explosion zu zahlreichen Verletzten und möglicherweise auch Toten hätten führen können. Die Bomben seien "so dilettantisch gebaut" gewesen, dass sie kaum größeren Schaden hätten anrichten können. Eine bombenähnliche Detonation wäre höchstwahrscheinlich ausgeblieben. Aus den misslungenen Anschlägen könne deshalb noch lange nicht geschlossen werden, dass Deutschland ins Fadenkreuz des hoch professionellen Terrorismus geraten wäre, betonte der Waffenexperte. Vielmehr sehe alles "nach einem schlecht vorbereiteten Angriff durch Amateure aus".