In der Stadt Delitzsch wird mehr Strom produziert als verbraucht, Delitzsch hat als erste Kommune Deutschlands einen Energiemanager eingestellt, und Delitzsch ist als einzige sächsische Kommune als Sieger aus dem Wettbewerb „Energieeffiziente Stadt“ des Bundesforschungsministeriums hervorgegangen.

Kein Wunder, dass Oberbürgermeister Manfred Wilde selbstbewusst feststellt: „In Delitzsch wird Energieeffizienz gelebt.“ Wie so oft war Geld der Auslöser für das Umdenken, das seit 2005 in der nordsächsischen Stadt eingesetzt hat und seither konsequent vorangetrieben wird.

„Die Betriebskosten für die kommunalen Gebäude waren in die Höhe geschossen und drohten, den Haushalt der Stadt zu sprengen“, erinnert sich Wilde. Da die Kommune mit jährlichen Preissteigerungen von fünf bis acht Prozent für Erdgas und Fernwärme rechnete, stellte sich die Frage, wie dies in den Griff zu bekommen sei.

„Wir haben ein Energieteam mit Beteiligten aus dem Stadtbauamt, der kommunalen Wohnungsbaugesellschaft und den Technischen Werken Delitzsch, unserem kommunalen Energieversorger, gebildet“, berichtet der parteilose Oberbürgermeister. Überlegt wurde, wie Energie eingespart werden und die Stadt sich weitgehend selbst mit Strom versorgen könnte.

„In allen Schulen, Kindergärten und kommunalen Gebäuden ist ein Energiemanagementsystem installiert worden“, sagt Wilde. Die jeweils zuständigen Hausmeister können nun über ihre Mobiltelefone Daten zum Beispiel zur Heizung abrufen.

Stichwort Dezentralisierung

Gibt es eine Störung, können sie sofort reagieren und nicht erst dann, wenn ein Gebäude ausgekühlt ist. Die Wohnungsbaugesellschaft der Stadt geht bei der Energieversorgung ebenfalls neue Wege. „In der Altstadt wurden beispielsweise vier Häuser mit insgesamt 24 Wohnungen gebaut, die mit Geothermie, also Erdwärme, beheizt werden“, erklärt Wilde. Auch die Stadtbibliothek wurde auf die regenerative Energie umgestellt. „Die Kommune geht mit gutem Beispiel voran und die Bürger machen mit“, sagt das Stadtoberhaupt. So habe ihn ein Eigenheimbauer auf die Erfahrungen der Stadt mit der Geothermie angesprochen – und dann sein Haus ebenfalls damit ausgestattet.

„Außer mit Wasserkraft arbeiten wir mit allen erneuerbaren Energieträgern“, unterstreicht das Stadtoberhaupt. Und dabei heißt das Stichwort Dezentralisierung: Bezieht ein Stadtteil seinen Strom aus einer Biomasseanlage, ist es in einem anderen die Fotovoltaik, die den Strom erzeugt, und in wieder einem anderen Bereich die Geothermie, die genutzt wird.

Umdenken war nötig

In allen Bereichen, sagt Wilde, musste erst ein Umdenken einsetzen. So mussten die Technischen Werke Delitzsch erst vom neuen Weg überzeugt und den Stadträten klar gemacht werden, dass es sich lohnt, zunächst einmal Geld in die Hand zu nehmen, um dann langfristig Finanzen zu sparen. Für Wilde geht es nicht darum, „philosophische Diskurse“ zur Energie abzuhalten. „Bei allen Entscheidungen kommt es darauf an, nachweisbare Ergebnisse zu liefern“, sagt er. Diese träfen dann auch in anderen Kommunen auf Interesse.

Sein Wunsch wäre, dass das Thema Energieeffizienz bei den Städte- und Gemeindetagen auf Landes- und Bundesebene sowie in der Öffentlichkeit allgemein noch mehr Beachtung findet. Wie es funktioniert, wird in Delitzsch vorgemacht.