Deshalb ist auch Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) gekommen. Er gratuliert dem Stuttgarter Dekra-Konzern zur Eröffnung seines Technologie-Zentrums am Rande des Lausitzrings bei Klettwitz, das natürlich – ganz modern – Technology Center heißt.
Platzeck würdigt bei seinem, nur über eine Stunde währenden Expressbesuch die enge Verbindung von Technologie-Zentrum und dem Eurospeedway Lausitz, von der er sich weitere Synergien für Arbeitsplätze in der Region rund um Senftenberg erhofft. Damit er so richtig zufrieden in die Hallen mit modernsten Mess- und Prüflabors blicken kann, hatte das Land Brandenburg zuvor noch einmal tief in die Tasche gegriffen. 25 Millionen Euro sind hier auf einem ehemaligen Tagebau verbaut worden, acht Millionen Euro Fördermittel hat das Land dazu gegeben. Angesichts der 122 Millionen Euro öffentlicher Zuschüsse, die bereits im benachbarten Lausitzring stecken, bremst Platzeck Kritiker sofort aus: „In was sollte eine Landesregierung investieren, wenn nicht in ein solches Zukunftspotenzial, das zudem noch relativ sicher ist?“ , fragt er.
Haben jüngst beim ChampCar-Rennen die Fahrer den Lausitzring nahezu überschwänglich gelobt, so werden auch für das Technologie-Zentrum Superlative verteilt. Brandenburgs Regierungschef sieht es als „wichtigen Standort im europäischen Transportkorridor“ . Professor Gerhard Zeidler, Vorstandsvorsitzender der Dekra, bezeichnet das Klettwitzer Dienstleistungsunternehmen für die Automobil- und Zulieferindustrie als „Top-Adresse“ . Geradezu ins Schwärmen kommt Dr.-Ing. Zeidler über die europaweite technologische Alleinstellung der Dekra-Teilfirma durch die enge Verzahnung mit dem Eurospeedway Lausitz. Auf einer 5,3 Kilometer langen, mit Elektronik gespickten Piste des Testovals können beispielsweise besonders genaue fahrdynamische Prüfungen durchgeführt werden. Geräuschmessungen sind hier ebenso exakt vornehmbar wie Prüfungen zum Schwingungsverhalten von Fahrzeugen. Für Tests stehen neben dem Oval auch die Grand-Prix-Strecke und der Superspeedway des Lausitzrings zur Verfügung.
An 120 Tagen im Jahr wollen die Dekra-Experten mit Geräten der Spitzentechnologie gewissermaßen auf dem Lausitzring unterwegs sein. Zur Ausrüstung des Zentrums gehören Labore mit Motorenprüfständen, Abgasanalyseanlagen für Benzin- und Dieselmotoren, eine Klimakammer, zwei Schlittenanlagen zur Simulation von Zusammenstößen, eine Anlage für Zugversuche sowie servohydraulische Prüfeinrichtungen.
„Alles greift ineinander, und schon deshalb ist der Erhalt des Renn- und Fahrbetriebs auf dem Eurospeedway Lausitz so dringend nötig“ , geht Ministerpräsident Platzeck mehr nebenbei auf den Crash ein, den es im vergangenen Jahr durch die Insolvenzanträge für Lausitzring-Gesellschaften gab. Ausgerechnet mit der Dekra war er passiert, weil der technische Überwachungs- und Prüfverein aus Stuttgart angesichts seiner Millionen-Investition nicht auf Gesellschafteranteile am Lausitzring zugunsten der Bankgesellschaft verzichten wollte.
Bei der Einweihung des 32 000 Quadratmeter großen Areals mit 70 hoch spezialisierten Arbeitsplätzen ist von dem Krach nichts mehr zu spüren. Bis Ende August, so hofft Hans-Jörg Fischer, Geschäftsführer der Eurospeedway Lausitz Betriebs GmbH, gibt es einen Käufer für das Motodrom, das dann seinem Negativimage der Vergangenheit für immer davonfahren möchte.